Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: Rating-Agenturen nehmen Herabstufung von CMBS-Papieren wieder zurück!

Posted by hw71 - 25. August 2009


Weil Investoren mit der Herabstufung von Wertpapieren, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind, nicht einverstanden waren und die Rating-Agenturen unter Beschuss genommen haben, nahmen diese die Abstufungen wieder zurück. Und das, obwohl gerade da eine weitere Blase zu platzen droht

Gefunden bei ftd.de (leider auch schon ein paar Tage älter):

Ratingagenturen

S&P knickt vor Banken ein

von Christine Mai und Tim Bartz (Frankfurt)

Die zahlreichen Kritiker der Ratingagenturen werden sich bestätigt fühlen: Nach einem regelrechten Sturmlauf der Investoren hat Standard & Poor’s die Herabstufung von Wertpapieren, die mit Gewerbeimmobilienkrediten besichert sind, wieder rückgängig gemacht.

Nur eine Woche nachdem die Ratingagentur die Papiere auf „BBB-“ herabgestuft hatte, verlieh sie ihnen jetzt wieder die Topbonitätsnote „AAA“. Zu den Emittenten der Commercial Mortgage-Backed Securities (CMBS) gehören die Großbanken Goldman Sachs, Credit Suisse, JP Morgan Chase, Wachovia und Morgan Stanley. Ohne Toprating können die Papiere nicht im Rahmen eines Programms der Notenbank Federal Reserve als Sicherheit im Gegenzug für Kredite hinterlegt werden.

„Wir haben eine Reihe von Nachfragen von Marktteilnehmern erhalten in Bezug auf unsere Vorgehensweise bei der Einstufung, die uns veranlasst haben, unseren Ansatz klarzustellen“, teilte S&P mit. Das Vorgehen ist Wasser auf die Mühlen derer, die das Geschäftsmodell der Ratingagenturen grundlegend attackieren. Der Hauptvorwurf: Agenturen wie S&P, Moody’s und Fitch sind bei der Beurteilung von Wertpapieren alles andere als unabhängig, da die Emittenten für die Ratings zahlen – und im Gegenzug Gefälligkeitsurteile erwarten.

Sie aber gelten als eine der Hauptursachen der Finanzkrise: Weil die Agenturen viele Wertpapiere zu lange zu positiv bewertet hätten, hätten institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen, Fonds und Pensionskassen im blinden Vertrauen auf die Ratings Milliarden investiert. Vor allem Wertpapiere, denen stark ausfallgefährdete Gewerbe- oder Wohnimmobilienkredite zugrunde liegen, haben in der Krise massiv an Wert verloren. Das zwingt die Käufer zu Abschreibungen und beschert ihnen Verluste, die wiederum ihr Eigenkapital schmelzen lassen. Der US-Pensionsfonds California Public Employees‘ Retirement System (Calpers) etwa hat die drei großen Ratingagenturen in diesem Zusammenhang bereits verklagt.

Welche Gefahren vom Gewerbeimmobilienmarkt ausgehen, verdeutlichte am Mittwoch auch US-Notenbankchef Ben Bernanke. Vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses in Washington sagte er am Mittwoch, dass die Insolvenzgefahr, die von dem Markt ausgehe, ein enormes Risiko für die gesamte US-Wirtschaft darstelle. Bernanke forderte die Hypothekenverleiher auf, „Problemdarlehen“ so neu zu strukturieren, dass Kreditausfälle weniger wahrscheinlich werden.

Trotz aller Kritik wird sich am Geschäftsmodell der Ratingagenturen vorerst aber nichts ändern – auch nicht nach dem Gesetzentwurf, den die US-Regierung jetzt vorgelegt hat. Er sieht lediglich Beschränkungen und strenge Transparenzpflichten vor, denen sich die Agenturen künftig unterwerfen müssen. Die Gesetze, die Investoren und Unternehmen zwingen, sich an Ratings zu orientieren, bleiben erhalten.

Gebühren und vorläufige Ratings müssen veröffentlicht werden

Dem Vorschlag der Regierung zufolge dürfen die Bonitätswächter Unternehmen, die sie bewerten, immerhin nicht mehr gleichzeitig auch beraten. Zudem müssen Gebühren und vorläufige Ratings veröffentlicht werden. Letzteres soll verhindern, dass Firmen sich mehrere Bewertungen erstellen lassen und dann die beste aussuchen.

Strukturierte Produkte sollen eigene Symbole bekommen, um Investoren auf das höhere Risiko aufmerksam zu machen. Eine neue – bereits eingerichtete – Einheit der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) soll die Agenturen überwachen. Ein verbesserter Informationsfluss an Investoren und Aufseher „wird die Disziplin am Markt verbessern und das System in Zukunft weniger verwundbar machen“, sagte Michael Barr, Staatssekretär im Finanzministerium.

„Ein Hauptgrund für die Krise waren aufgeblasene Bewertungen, und die Vorschläge werden nichts an der Tendenz ändern, zu hohe Bewertungen zu vergeben“, sagte Sean Egan, Präsident der Ratingagentur Egan-Jones Ratings, der Nachrichtenagentur Bloomberg mit Blick auf den Gesetzesentwurf. Moody’s teilte immerhin mit, die Ziele „größerer Transparenz und verbesserter Qualität von Ratings“ zu unterstützen. Ein Sprecher von S&P sagte, die Ratingagentur analysiere die Vorschläge. Fitch teilte mit, die Pläne stimmten mit den eigenen Ansichten zu Transparenz überein.

Die Vorschläge müssen noch vom amerikanischen Kongress beschlossen werden. Dabei sind Änderungen möglich. Die Pläne sind Teil einer umfassenden Reform der Finanzmarktaufsicht, die die Regierung im vergangenen Monat vorgestellt hatte.

Aus der FTD vom 23.07.2009

© 2009 Financial Times Deutschland

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