Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Auch bei Heidelberger Druck reicht Kurzarbeit nicht mehr

Posted by hw71 - 4. August 2009


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Heidelberger Druck

Von der Kurzarbeit ins Aus

Von Jutta Maier

Mannheim. Er wolle nicht durchgehend schwarz malen, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier, nachdem er den Aktionären auf der Hauptversammlung der Heidelberger Druck eine negative Botschaft nach der anderen hatte verkünden müssen: Einen Umsatzeinbruch um 18 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, ein Fehlbetrag von 249 Millionen Euro nach 142 Millionen Überschuss im Vorjahr, 5000 Stellen, die infolge der Krise abgebaut werden müssten, und nicht zuletzt die Aussicht auf einen weiter sinkenden Umsatz im laufenden Geschäftsjahr.

„Erste, wenn auch nur kleine Anzeichen für ein Licht am Ende des Tunnels“ seien erkennbar, sagte Schreier, der Auftragseingang habe sich im April, Mai und Juni auf dem niedrigen Niveau der vergangenen beiden Geschäftsquartale stabilisieren können. Ob dies bereits ein Signal für eine Trendwende ist, lasse sich aber „im Moment nur schwer beurteilen“. So sei der Negativtrend im Chinageschäft zwar gestoppt, dies könne aber nicht die Rückgänge in Europa und Asien kompensieren.

Der Weltmarktführer leidet weiterhin unter der Konjunkturflaute, im Zuge derer die schwach ausgelasteten Druckereien kaum noch neue Maschinen ordern. Dazu kommt, dass bei den Verlagen die Werbeaufträge ausbleiben und die Banken sich bei Kreditvergaben zurückhalten.

Trotz der Kritik von Aktionären an Geschäftspolitik, Finanzierungsstruktur als auch Ausrichtung des Unternehmens gab sich Schreier Mühe, ein zuversichtliches Bild für die Zukunft zu zeichnen. So habe das Unternehmen trotz Krise keine Marktanteile verloren. Und nicht zuletzt dank der staatlichen Finanzspritze habe sich Heidelberger Druck von seinen Banken einen Kreditrahmen über 1,4 Milliarden Euro und damit sein Überleben für die nächsten drei Jahre sichern können, sagte Schreier.

Der Druckmaschinenhersteller hatte im Mai 2008 als erstes Großunternehmen die Zusage für Geld aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland erhalten. Während sich der Entscheidungsprozess über staatliche Hilfen bei Opel zäh hinzog und Unternehmen wie Arcandor oder Porsche leer ausgingen, erhielt Heidelberger Druck weitgehend geräuschlos das Okay für einen 300 Millionen Euro Kredit der Staatsbank KfW sowie Bürgschaften für Kredite bei Geschäftsbanken über 550 Millionen Euro. Der Bund und das Land Baden-Württemberg tragen das Risiko etwa je zur Hälfte.

Auf Kritik stieß auch die vorzeitige Verlängerung von Schreiers Vertrag für weitere drei Jahre. Der Aufsichtsratsvorsitzende Mark Wössner verteidigte den Schritt als notwendig, um in der Krise einen „glaubwürdigen, handlungsfähigen“ Vorstandsvorsitzenden zu haben. Schreiers Abfindung sei im Ernstfall jedoch auf höchstens zwei Jahresgehälter begrenzt. Wössner erklärte zudem, dass der Vorstand angesichts der Krise auf die Hälfte seiner variablen Bezüge verzichten werde.

Einigen Aktionären war das nicht genug angesichts des rigiden Sparkurses, den das Unternehmen bereits im Sommer 2008 eingeschlagen und seitdem zwei mal verschärft hat. „Überlebensnotwendig“ sei es, sagte Schreier, 400 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2010/11 nachhaltig einzusparen, unter anderem durch die Reduzierung der Stellen von 20.000 auf 15.000 Mitarbeiter. Eine Kostenreduktion von 84 Millionen Euro sei im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits erreicht worden. Auch die Hälfte der angepeilten 5000 Stellen seien bereits „sozialverträglich“ abgebaut worden.

So hätten im Laufe des Jahres bereits rund 2000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, der Abbau von weiteren Stellen sei bereits fest vereinbart. 200 Mitarbeiter würden noch im Laufe des Geschäftsjahres ausscheiden, 300 weitere seien in Altersteilzeit und gingen im kommenden Geschäftsjahr in Rente. Die noch ausstehenden Streichungen seien jedoch nur durch betriebsbedingten Kündigungen umzusetzen.

Der Tarifvertrag zur Zukunftssicherung sei zu diesem Zweck als „Ultima Ratio“ bereits im März gekündigt worden, seit Anfang Juli verhandle Heidelberger Druck mit dem Betriebsrat. Die IG Metall hatte protestiert, weil das Unternehmen gegen den Kündigungsschutz verstoße. 90 Prozent der Belegschaft sind seit Anfang des Jahres in Kurzarbeit.

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