Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: Kreditklemme durch Krise von Mittelstandsfinanzierer CIT?

Posted by hw71 - 14. Juli 2009


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Kreditklemme in den USA

In der Krise

14.07.2009, 7:41

Von Nikolaus Piper

Es geht um die Existenz: Der Mittelstandsfinanzierer CIT Group bittet die Behörden um Unterstützung – ein Testfall für die Regierung Obama und eine Gefahr für 300.000 Firmen.

Der Aufschwung in den USA könnte durch eine Kreditklemme für unzählige kleine und mittlere Firmen bedroht werden. Ursache ist die Existenzkrise eines der größten Mittelstandsfinanzierer der Vereinigten Staaten.

Die börsennotierte CIT Group aus New York bestätigte, sie befinde sich in „aktiven Diskussionen“ mit den Regulierungsbehörden über die „Verbesserung ihrer kurzfristigen Liquiditätsposition“.

CIT finanziert das Tagesgeschäft und die Investitionen von schätzungsweise einer Million kleiner und mittlerer Unternehmen in Amerika. CIT ist aber auch international in über 30 Ländern tätig und gilt als einer der wichtigsten Spezialisten für Flugzeug-Leasing und für die Finanzierung von Güterzügen weltweit.

CIT-Anleihen gelten als „Schrott“

CIT dürfte jetzt zum Testfall dafür werden, in welchem Umfang die Regierung von Präsident Barack Obama zur Rettung von Unternehmen noch einzugreifen bereit ist. CIT gilt mit einem Anlagevermögen von 75,7 Milliarden Dollar und Verbindlichkeiten von 68,2 Milliarden Dollar zwar, anders als die Wall-Street-Banken, nicht als Systemrisiko für den Finanzsektor insgesamt, ein Zusammenbruch könnte jedoch tausende kleinerer Unternehmen in Gefahr bringen, weil diese keine alternative Finanzierungsquelle finden.

Nach internen Dokumenten, die die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte, könnten bis zu 760 Industrieunternehmen und 300.000 Einzelhändler betroffen sein. Damit sind auch Hunderttausende von Arbeitsplätzen im ganzen Land in Gefahr.

Die CIT Group hatte bereits 2,3 Milliarden Dollar an Kapitalhilfe aus dem staatlichen Rettungsprogramm für die Finanzbranche (Tarp) bekommen. Das reichte aber offenbar für die Stützung des Unternehmens nicht. Jetzt geht es darum, ob die staatliche Einlagensicherung FDIC Anleihen von CIT in ein spezielles Garantieprogramm (TLGP) aufnimmt.

Wie es hieß, zögert die FDIC-Chefin Sheila Bair derzeit noch mit Zusagen, weil sie weitere unabsehbare Belastungen für die amerikanischen Steuerzahler fürchtet. „Wenn die FDIC nicht ihre Meinung ändert, ist es schwer vorstellbar, dass CIT überlebt,“ sagte Kathleen Shanley, eine Anleihenanalystin aus Chicago laut Bloomberg. „Die Anleger haben das Vertrauen in die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells verloren.“

Finanzminister Timothy Geither versuchte, die Finanzmärkte zu beruhigen, ohne aber Details zu seinen Absichten zu enthüllen. „Wir beobachten die Entwicklung in diesen Märkten genau,“ sagte er. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Befugnisse und die Möglichkeiten haben, um vernünftige Entscheidungen zu treffen.“

CIT Group muss bis Ende 2010 Schulden von zehn Milliarden Dollar refinanzieren, konnte aber seit über einem Jahr keine neuen Anleihen mehr auf dem Markt unterbringen. Ratingagenturen haben die Anleihen von CIT mittlerweile auf „Schrott“-Niveau heruntergestuft; auf diesem Niveau gelten Zahlungsausfälle als wahrscheinlich, entsprechend hoch sind die Zinsen.

Zwei Milliarden Verlust und ein Kurseinbruch von 20 Prozent

CIT erwirtschaftete in den vergangenen zwei Jahren Verluste von über drei Milliarden Dollar. Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz von CIT hatten sich über das Wochenende verstärkt, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen die auf Insolvenzrecht spezialisierte Anwaltskanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom engagiert hat.

Der CIT-Aktienkurs brach am Montag um über 20 Prozent ein; das Papier wurde bei unter 1,20 Dollar gehandelt. Bereits in der vorigen Woche hatte der Titel 23 Prozent verloren. Die Kosten, um sich gegen den Ausfall von CIT-Anleihen zu versichern, sind gleichzeitig dramatisch gestiegen. Wer zehn Millionen Dollar über fünf Jahre versichern will, musste dafür am Montag 4,6 Millionen Dollar zahlen, am Freitag waren es noch 3,8 Millionen gewesen.

CIT ist ein New Yorker Traditionsunternehmen und wurde bereits 1908 gegründet. Im vergangenen Dezember erwarb CIT eine kleine Bank in Utah und wandelte sich eine Bankgesellschaft um, um sich für Subventionen aus dem Bankenpaket der Regierung in Washington zu qualifizieren.

Spezialisiert ist CIT seit vielen Jahren auf die Finanzierung kleiner Unternehmen, die bei den großen Banken keinen oder nur sehr teuren Kredit bekommen würden. Deshalb spielt CIT einerseits eine Schlüsselrolle für die Stabilität des amerikanischen Unternehmenssektors in der Rezession, der Finanzierer ist aber auch besonders getroffen von dieser Rezession.

Zum Kundenkreis von CIT gehören unter anderem die rechtlich unabhängigen Läden des insolventen Bekleidungshändlers Eddie Bauer. Auch die Filialen der Imbissketten Donkin‘ Donuts und Baskin Robbins werden von CIT finanziert.

In den internen Dokumenten heißt es, ein „substanzieller Anteil“ der Kunden werde seine Kredite nicht erneuern können, wenn CIT ausfallen sollte. „Das könnte zum Scheitern der Firmen führen, die keinen anderweitigen Zugang zu Liquidität haben.“

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