Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

IWF: Das dicke Ende kommt noch…

Posted by hw71 - 13. Mai 2009


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21.04.2009

IWF-Bericht

Das dicke Ende kommt noch

Nun ist es offiziell: Vier Billionen Dollar Verlust sieht der Internationale Währungsfonds auf das Finanzsystem zukommen. Die Banken hätten nur einen Teil ihrer Einbußen offengelegt. Die Regierungen müssten die Abwärtsspirale von Finanz- und Wirtschaftskrise stoppen, sonst drohe eine Kreditklemme.

Washington – Die Finanzkrise wird einer neuen Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge rund um den Globus Werte in Höhe von mehr als vier Billionen Dollar vernichten. Die Washingtoner Finanzinstitution bezifferte die bisherigen und künftigen Verluste infolge von Ramschanleihen und faulen Krediten in seinem am Dienstag vorgelegten Bericht zur Finanzstabilität auf 4,054 Billionen Dollar (3,14 Billionen Euro). Damit bestätigte der IWF Presseberichte von Anfang April.

„Ohne eine Reinigung der Bankbilanzen von belasteten Anlagen, begleitet von einer Restrukturierung und, wenn nötig, Rekapitalisierung, bleibt das Risiko, dass die Bankprobleme die wirtschaftliche Entwicklung nach unten reißen“, hieß es weiter. Die Kreditvergabe wachse immer weniger und werde in einigen Regionen, wie den USA und der Euro-Zone, in naher Zukunft sinken. Sie werde sich wohl auch erst nach einigen Jahren wieder ganz erholen. Immerhin sieht der Fonds als Resultat der Hilfsprogramme einige Frühzeichen der Stabilisierung. Allerdings bedürfe es weiterer entschiedener, effektiver und international koordinierter politischer Maßnahmen.

Die größten Abschreibungen ergeben sich dem IWF-Gutachten zufolge aus US-Papieren: Hier liege der Verlust bei 2,7 Billionen Dollar. Die Verluste aus europäischen Krediten schätzte der Fonds auf 1,2 Billionen Dollar, bei japanischen Darlehen liege die Summe bei 149 Milliarden Dollar. In seiner im Januar vorgelegten letzten Schätzung hatte der IWF die Verluste aus US-Papieren noch auf 2,2 Billionen Dollar beziffert, zu Europa und Japan hatte er damals zunächst keine Zahlen vorgelegt.

Den IWF-Experten zufolge haben viele Finanzinstitutionen das wahre Ausmaß ihrer Verluste noch nicht eingeräumt. Etwa 61 Prozent der Gesamtverluste, also rund 2,5 Milliarden Dollar, entfalle auf Banken, der Rest auf Versicherungen und Pensionsfonds. Die Banken müssten aber noch zwei Drittel ihrer Verluste abschreiben, heißt es in dem Bericht, die bisherigen Abschreibungen seien „unvollständig“.

Besonders für europäische Banken prognostiziert der IWF schwierige Zeiten, da vor allem in Osteuropa noch erhebliche Kreditausfälle zu erwarten seien. Während für die Rekapitalisierung des Finanzsektors in den USA laut IWF noch 275 Milliarden Dollar benötigt würden, liege der Bedarf in Europa bei 600 Milliarden Dollar. „Die Kreditkrise könnte sich für europäische Banken noch erheblich vertiefen“, heißt es in dem IWF-Bericht.

Um die Kapitalisierung der Banken wieder bis auf das Niveau wie Mitte der 90er Jahre zu bringen, würden in den USA weitere 500 Milliarden Dollar und in Europa sogar weitere 1,2 Billionen Dollar benötigt, schreiben die IWF-Experten. Der US-Regierung stehen nach eigenen Angaben noch 134,6 Milliarden Dollar zur Stabilisierung des Finanzsystems zur Verfügung. Bei dieser Summe handle es sich um den Rest des 700 Milliarden Dollar schweren Pakets (Tarp), das der Washingtoner Kongress unter dem Eindruck der eskalierenden Finanzkrise im Oktober vergangenen Jahres gebilligt hatte, wie US-Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag in einer Erklärung an den Kongress mitteilte.

Laut Geithner hatte bereits die Regierung von Präsident George W. Bush bis zum Ende ihrer Amtszeit am 20. Januar etwas mehr als die Hälfte des Geldes ausgegeben, nämlich 355,4 Milliarden Dollar. Aktuell seien derzeit nur noch 109,6 Milliarden Dollar verfügbar, allerdings werde in den kommenden Monaten mit Rückzahlungen in Höhe von 25 Milliarden Dollar gerechnet.

An diesem Mittwoch legt der Weltwährungsfonds Einzelheiten zu seinem jüngsten globalen Konjunkturausblick vor. Der IWF rechnet damit, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr zum ersten Mal seit 60 Jahren schrumpfen wird. Der Fonds rechnet mit einem Minus zwischen 0,5 und 1 Prozent. Alle Zahlen des IWF-Gutachtens zu Kreditausfällen beziehen sich auf den Zeitraum vom Beginn der Krise Mitte 2007 bis Ende 2010.

manager-magazin.de mit Material von afp, reuters und dpa

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