Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Von den kosmetischen Bilanzkniffen bei der Deutschen Bank

Posted by hw71 - 13. Mai 2009


OK, ich wollte zu den Jubelarien, die jetzt nach den ganzen Tricksereien bei den Bilanzen ja zu Hauf in den Medien zu lesen waren, nichts schreiben, weil die ganze Sache für mich nur noch eine Farce ist – aber hier habe ich zumindest ein paar kritische Zeilen zur Deutschen Bank, der zumindest ein paar Punkte anspricht, wie die Bank zu ihrem 2,1 Mrd. Quartalsgewinn gekommen ist.

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28.04.09, 11:53

MONEY-Börse

Rendite dank Bilanztricks

Josef Ackermann hat die Märkte erneut überrascht. Doch der Schweizer verkörpert den alten Banker-Stil, komme, was da wolle. Der ist nicht mehr zeitgemäß.

Von FOCUS-MONEY-Redakteur Markus Voss

Aktionäre lieben hohe Gewinne. Und jeder Aktionär freut sich, wenn sein Unternehmen die Konkurrenz in den Schatten stellt. Insofern sind die Quartalszahlen, die die Deutsche Bank heute veröffentlichte, ein klares Statement: Mit einem Gewinn von 1,8 Milliarden Euro übertraf das Geldhaus die Analystenschätzungen um fast 50 Prozent. Zudem erreichte die Bank schon drei Monate nach dem größten Quartalsverlust ihrer Geschichte wieder eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent.

Doch an der Börse hält sich die Freude in Grenzen. Zeitweilig verlor die Aktie über sieben Prozent. Denn Ackermann selbst hatte die Erwartungsschwelle mit positiven Aussagen zum ersten Quartal sehr hoch gelegt. Nun verkaufen alle. „Sell on good news“ heißt das an der Börse.

Zu gut, um wahr zu sein

Zum anderen sind die Zahlen einfach zu gut, um wahr zu sein. Und wer ein bisschen sucht, der findet auch Anhaltspunkte dafür. Die Eigenkapitalrendite etwa (Gewinn geteilt durch Eigenkapital), die Ackermann noch immer wie eine Monstranz vor sich her trägt, ist eine Kennziffer aus der Welt vor der Krise. Im neuen Banking 2.0 spielt sie keine Rolle mehr – im Gegenteil. Jetzt geht es darum, möglichst hohe Eigenkapitalreserven aufzubauen, um weitere Abschreibungen abzupuffern, die mit der Rezession unweigerlich kommen: etwa Abschreibungen auf Unternehmenskredite. Mehr Eigenkapital bedeutet, dass der Nenner der Kennziffer größer wird – und die Rendite sinkt.

Bei Ackermann wird dagegen seit Jahren das Eigenkapital kleiner. Und das steigert die Rendite. Im ersten Quartal 2007 erreichte die Deutsche Bank einen Quartalsgewinn von 2,1 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von 36,9 Prozent. Damals bewegte der Konzern mit 37 Milliarden Euro Eigenkapital 1,7 Billionen Euro Bilanzsumme. Zwei Jahre später ist das Eigenkapital auf 33,6 Milliarden Euro gesunken, die Bilanzsumme aber auf 2,1 Billionen Euro gestiegen. Die Risiken nahmen also zu.

Obwohl der Quartalsgewinn gegenüber 2007 nur um 300 Millionen Euro kleiner ausfällt, ist die Eigenkapitalrendite auf 22,6 Prozent „gesunken“. Welche Aussagekraft hat eine solche Kennziffer?

Kosmetische Bilanzkniffe

Was den Investoren richtig aufstößt, ist ein Detail, das die Deutsche Bank in ihrer Pressekonferenz nicht erwähnte. Es ist auf Seite zehn des Quartalsberichts versteckt. Dem ist zu entnehmen, dass das Institut seit Juli 2008 Handelsaktiva im aktuellen Wert von 31,4 Milliarden Euro ins Anlagevermögen umklassifizierte, um keine Abschreibungen mehr vornehmen zu müssen. Hätte sie dies nicht getan, wäre der Quartalsgewinn um 1,165 Milliarden Euro niedriger ausgefallen. Die Eigenkapitalrendite hätte sich glatt halbiert. Das sagte Ackermann heute nicht.

Stattdessen sprach der Deutsche-Bank-Boss lieber über seine Vertragsverlängerung. Er fühlt sich zu Recht geschmeichelt, dass der Aufsichtsrat ihn bat, seinen Vertrag – entgegen allen bisherigen Aussagen – um drei Jahre bis 2013 zu verlängern. Es sei „der Wunsch des Aufsichtsrats und vieler Mitarbeiter“ gewesen, sagte Ackermann.

Chance für Neuanfang verpasst

Wollte sich in der aktuellen Krise, in der die Deutsche Bank binnen weniger Quartale 32 Prozent ihrer Investmentbanker entlassen hat, kein anderer die Finger schmutzig machen? Oder ist der Leitwolf Ackermann wirklich unverzichtbar für den Corpsgeist der Deutschen Bank? Auf jeden Fall hat der Aufsichtsrat der Bank die Chance für einen Neuanfang verpasst, wie ihn andere Geldhäuser, etwa die Credit Suisse oder die UBS längst angegangen sind.

Ackermann sieht das „weiter so“ als Stärke. „Nicht alle unsere Wettbewerber können sich über eine solche Stabilität im Management freuen“, bemerkte der Deutsche Bank-Chef heute. Tatsächlich ist der Schweizer einer der wenigen Bankchefs, die die Finanzkrise überlebt haben.

Profiteur der Krise

Doch politisch ist die Vertragsverlängerung kaum zu vermitteln. Es scheint nämlich, dass Ackermann die veränderten Rahmenbedingungen nicht anerkennen will – oder einfach ignoriert. Der Bankchef muss wissen, dass ein Großteil seiner jüngsten Gewinne darauf zurückzuführen ist, dass sich die Kapitalmärkte beruhigt haben – was wiederum ausschließlich auf staatliche Eingriffe zurückzuführen ist. Über die Politik verliert er jedoch kein Wort. Dabei gehen auch die rekordverdächtigen Erträge seiner Investmentbank vor allem darauf zurück, dass viele Staaten zur Refinanzierung ihrer Bankenrettungspakete Anleihen begeben müssen, die die Deutsche Bank im Kundenauftrag – und gegen Provision – gerne platziert.

So profitiert Ackermann von der Krise, die die Banken selbst schufen. Die strukturierten Kredite, die der Auslöser für das Desaster waren, haben Investmentbanker seiner Bank sogar maßgeblich mitentwickelt. Doch den Beweis, dass er selbst aus dieser tiefgreifenden Bankenkrise gelernt hat, ist der Leitwolf Ackermann bisher schuldig geblieben. Auch heute.

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Eine Antwort to “Deutschland: Von den kosmetischen Bilanzkniffen bei der Deutschen Bank”

  1. […] “Deutschland: Von den kosmetischen Bilanzkniffen bei der Deutschen Bank“ […]

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