Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Bad Bank beschlossene Sache…

Posted by hw71 - 23. April 2009


Und bei einem der beiden Vorschläge (mit dem wohlklingenden Namen „Aida“) könnte man sich auch gleich noch die Probleme der Landesbanken vom Hals schaffen, nämlich komplette Geschäftsbereiche, die „keine Zukunft mehr haben“, „abzuwracken“.

Auch interessant: es ist noch nicht sooo allzulange her, da sagte ein gewisser Herr Steinbrück, dass solche Summen für eine Bad Bank dem Steuerzahler nicht zu vermitteln seien. Naja – mittlerweile sind ja wieder ein paar Wochen in’s Land gezogen – die Lage hat sich verschlimmert und das Vermitteln solcher „Rettungsaktionen“ fällt dem Peer jetzt sicher leichter… 😦

Gefunden bei ftd.de:

Bad Bank für Deutschland

Die Schlechten ins Kröpfchen

von Jens Tartler, Peter Ehrlich (Berlin), Mark Schrörs (Frankfurt)

Die Bundesregierung hat nach monatelanger Diskussion beschlossen, den Banken ihre toxischen Wertpapiere abzunehmen. Für eine Bad Bank sind zwei Modelle im Gespräch, erfuhr die FTD.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die zuständigen Minister vereinbarten am Dienstag, bis Mitte Mai ein Konzept für eine sogenannte Bad Bank zu erarbeiten und im Kabinett zu verabschieden. Dies soll die lahmende Kreditvergabe wieder in Gang bringen.

Die Bad Bank soll eines der akutesten Probleme der momentanen Wirtschaftskrise lösen. Nach Berechnung des Finanzministeriums haben Banken in Deutschland illiquide oder stark wertgeminderte Vermögenswerte in Höhe von 853 Mrd. Euro. Durch die Abschreibungen auf die Wertpapiere ist das Eigenkapital vieler Banken stark geschmolzen. Die Institute vergeben Kredite daher nur zögerlich – was die Probleme vieler Unternehmen in der schweren Rezession noch verschärft.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, Ziel der Regierungspläne sei eine Entlastung der privaten Institute ebenso wie der Landesbanken. Zu zusätzlichen Belastungen des Etats solle es nicht kommen, der Bund werde aber Garantien übernehmen. Ob und in welchem Ausmaß die Garantien fällig würden, werde sich erst am Ende der bis zu 20-jährigen Laufzeit der Papiere zeigen.

Noch ungeklärt ist die heikle Frage, wie genau das Risiko zwischen Staat und Banken aufgeteilt sein soll. Die Regierung will das Risiko eingrenzen, indem sie nur strukturierte Finanzprodukte in ihr Bad-Bank-Modell aufnimmt. Andere Belastungen wie Firmenkredite sollen außen vor bleiben.

Nach FTD-Informationen aus Regierungskreisen sollen die Bad Banks toxische Papiere über 150 bis 300 Mrd. Euro verwalten. Einigkeit besteht darüber, dass es nicht eine große Bad Bank geben soll, sondern mehrere kleine.

Endlager für Banken-Giftmüll (klicken für größere Darstellung)

Endlager für Banken-Giftmüll (klicken für größere Darstellung)

Steinbrück zufolge sind zwei Modelle ernsthaft im Gespräch. Die erste Variante sieht vor, dass die Banken ihre Problempapiere an Zweckgesellschaften (Special Purpose Vehicles, SPVs) auslagern. Im Gegenzug bekommt die Bank eine staatlich garantierte Anleihe von der Zweckgesellschaft. Für die Garantie zahlt die Bank eine Gebühr an den Staat. Außerdem muss sie – gestreckt über die Laufzeit der Garantie – eine Rückstellung bilden, die sich an der Differenz zwischen dem Buchwert und einem vermuteten marktgerechten Wert (Fair Value) der toxischen Papiere bemisst. Am Ende der Laufzeit soll die Rückstellung an den Staat gezahlt werden.

IWF-Report zeigt, wie sehr die Zeit drängt

Das Modell mit den Zweckgesellschaften könnte kurzfristig umgesetzt werden. Ein weiterer Vorschlag mit dem Projektnamen „Aida“ („Anstalt in der Anstalt“) wurde vom Bankenrettungsfonds Soffin entwickelt – er ist aufwendiger und juristisch komplizierter. Demnach könnten Banken nicht nur Wertpapiere auslagern, sondern über den Soffin ganze Geschäftsbereiche abwickeln, die keine Zukunft mehr haben. Das wäre etwa für Landesbanken attraktiv. Die Unionsländer sind daher für das Aida-Modell.

Wie sehr die Zeit drängt, zeigte am Dienstag der neue Finanzstabilitätsbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF). Darin schraubte der Fonds seine Schätzung für drohende Verluste aus der Krise von 2200 auf 4100 Mrd. $ hoch. Erstmals berücksichtigte er neben US-Abschreibungen auch Wertberichtigungen auf europäische und japanische Papiere.

Der IWF mahnte die Politik, alles zu tun, um die „Abwärtsspirale“ aus Finanzkrise und Rezession zu durchbrechen. Nötig seien vor allem eine Lösung für die Schrottpapiere und eine ausreichende Kapitalausstattung der Banken. Im Notfall dürften die Regierungen auch vor Bankverstaatlichungen nicht zurückschrecken.

Aus der FTD vom 22.04.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: