Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Brüssel will BayernLB „halbieren“…

Posted by hw71 - 28. März 2009


Gefunden bei ftd.de:

Wegen Milliardenspritze des Landes

Brüssel will BayernLB halbieren

von Gerhard Hegmann (München) Christian Höller (Wien) und Meike Schreiber (Frankfurt)

Die EU-Kommission drängt die Bayerische Landesbank nach Informationen der FTD zu tieferen Einschnitten als bisher geplant. Zur Disposition steht damit das Engagement in Kärnten.

„Brüssel wünscht nach ersten Gesprächen eine Reduzierung der Bilanzsumme um 50 Prozent“, sagte ein Insider. Dieser drastische Einschnitt dürfte die BayernLB nur erreichen, wenn sie die Kärntner Großbank Hypo Group Alpe Adria verkauft, die sie erst 2007 erworben hatte, heißt es in Kreisen der zweitgrößten deutschen Landesbank. Bislang stehe der BayernLB-Vorstand aber noch hinter dem Engagement in Kärnten. Allerdings: Eine Bank zu verkaufen, ist in Zeiten der Finanzkrise schwierig. Ein Sprecher der BayernLB sagte lediglich: „Derzeit steht alles auf dem Prüfstand.“

Die EU-Kommission will bis zum 18. April einen vorläufigen Umbauplan für die Landesbank sehen. Bis 18. Juni muss sie die endgültige Fassung einreichen. Dann entscheidet die Kommission, ob sie der Rettung durch Bayern und den Bund zustimmt. Der Freistaat schießt der Bank 10 Mrd. Euro Kapital zu. Außerdem erhält die Bank Garantien des Bundes sowie Bürgschaften des Landes. Ungeachtet der vielen Bankrettungen in Europa schaut sich die Kommission die einzelnen Fälle genau an. Im Blick hat sie dabei vor allem die deutschen Landesbanken.

Der BayernLB-Vorstand hatte sein Konzept in dieser Woche dem Verwaltungsrat vorgestellt. Zuvor war auch die Kontrollkommission des Landtags informiert worden. Bereits Anfang Dezember hatte die Bank mitgeteilt, dass das Institut „umfassend restrukturiert und redimensioniert“ werde.

Konzentrieren will sich die BayernLB vor allem auf das Mittelstandsgeschäft, Großkunden, gewerbliche Immobilien und Privatkunden. Die Risikoaktiva sollen um etwa ein Drittel reduziert, riskantes Investmentbanking soll ganz aufgegeben werden. Bis 2013 fallen 5600 der 19.200 Stellen weg.

Abgebaut wird dabei auch das riskante Kreditersatzgeschäft, das die großen Bewertungsverluste verursacht hat. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat die Landesbank dafür eigens eine Restrukturierungseinheit eingerichtet. Nach eigenen Angaben hat die BayernLB 2008 operativ etwa 5 Mrd. Euro verloren.

Auch im Management stehen Veränderungen an: Wie die Bank am Mittwoch mitteilte, rückt Edgar Zoller in den Vorstand auf. Er folgt im Mai auf Rudolf Hanisch, der in den Ruhestand geht. Der 52-jährige Zoller ist seit 2006 Immobilien-Bereichsleiter und wird den Bereich im Vorstand vertreten.

Für eine radikale Verkleinerung der BayernLB hat sich jüngst auch die Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag ausgesprochen. So solle geprüft werden, alle für das neue Geschäftsmodell nicht benötigten Töchter und Zweige zu verkaufen. Dies gelte vor allem für die Auslandstöchter Hypo Alpe Adria und die ungarische MKB. Insbesondere die Hypo bleibe unkalkulierbar. „Die letzte Messe ist noch nicht gelesen, ob die Hypo im Konzern bleibt oder nicht“, sagte der BayernLB-Experte der Grünen, Eike Hallitzky.

Ein massiver Umbau steht der Hypo jedenfalls jetzt schon bevor: Deren Chef Tilo Berlin kündigte gestern seinen Rücktritt an. Mit BayernLB-Chef Michael Kemmer wurde vereinbart, dass Berlin nach der Hauptversammlung Ende April ausscheidet. In Finanzkreisen ist von Differenzen über die Ausrichtung der Hypo die Rede. „Der Mehrheitseigentümer hat nun berechtigt seine eigenen Vorstellungen über die Zukunft der Bank“, sagte Berlin. Die Hypo gehört zu den Sorgenkindern der BayernLB. Dem Vernehmen nach soll das Institut 2008 rund 500 Mio. Euro verloren haben. Finanzkreisen zufolge soll sie sich von Tochtergesellschaften in den Krisenregionen auf dem Balkan trennen. Auch ein größerer Personalabbau ist geplant.

Ein Nachfolger für Berlin steht noch nicht fest. Angesichts der Restrukturierung der Hypo gehen Beobachter aber davon aus, dass Kemmer einen Vertrauten in die Position heben wird.

Aus der FTD vom 19.03.2009
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: FTD.de

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