Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Bilanzierungsregeln: Back to „Mark to Fantasy“?

Posted by hw71 - 11. März 2009


Wenn ich den nachfolgenden Text lese, frage ich mich, ob man aus den vergangenen Monaten tatsächlich nichts gelernt hat. Nicht die Tatsache, dass die Banken Beteiligungen zu Marktpreisen in die Bilanzen aufnehmen müssen (Mark to Market) macht diesen zu schaffen, sondern die Tatsache, dass dieser Mist schlicht und ergreifend nicht mehr handelbar ist – es also keinen Markt dafür gibt (also eigentlicher Wert = 0!). Und jetzt überlegt man, für solche Papiere wieder Modelle zur Berechnung eines Wertes heranzuziehen (Mark to Model), um diesen dann in die Bücher zu nehmen! WTF?!

Die nächste Verarsche steht vor der Tür!

Gefunden bei ftd.de:

Mark-to-Market

USA erwägen Bilanzregel-Reform

Dass Beteiligungen zum Marktpreis in den Bilanzen stehen, hat vielen Konzernen herbe Verluste beschert – und erschwert die Erholung der US-Wirtschaft. Washington diskutiert, ob die Regel geändert oder ausgesetzt wird. Auch Einschränkungen von Leerverkäufen stehen wieder zur Debatte.

Angesichts der andauernden Turbulenzen an den Finanzmärkten erwägen die USA offenbar Änderungen bei Bilanzierungsvorschriften und Regelungen zu Leerverkäufen. Die Börsenaufsicht SEC teilte am Dienstagabend mit, dass sie sich möglicherweise bei einem Treffen im April mit der Wiedereinführung einer Regelung („uptick rule“) beschäftigen werde, Leerverkäufe – also Wetten auf fallende Kurse – einzuschränken.

Händler machten die Nachrichten mitverantwortlich für das Kursfeuerwerk an der Wall Street am Dienstag. „Das wäre eine weitere sehr gute Nachricht für Finanzbranche“, sagte Händler Michael James. Der Dow Jones schloss fast sechs Prozent im Plus.

Positiv aufgenommen wurden auch Forderungen von Notenbank-Chef Ben Bernanke nach „Verbesserungen“ der Bilanzierungsregeln. Er wolle das Prinzip der Bewertung zum Marktwert (Mark To Market) nicht abschaffen, aber einige schwache Punkte überarbeiten, sagte Bernanke. Damit schließt er sich einer Reihe von Kritikern an, die eine Reform der Vorgaben fordern.

Die Debatte läuft, seitdem die Zeitwertbilanzierung, nach der Unternehmen Anteile zum aktuellen Marktpreis in der Bilanz führen müssen, im Zuge der Krise bei vielen Finanzkonzernen zu milliardenschweren Abschreibungen geführt hat. Die Wertverluste führen so zu Zwangsverkäufen und einem erhöhten Kapitalbedarf bei den Banken – und verstärken damit die Turbulenzen noch. Der Rekordverlust des Versicherungskonzerns AIG von rund 62 Mrd. Euro im vierten Quartal war beispielsweise zu großen Teilen auf Abschreibungen zurückzuführen und nicht zahlungswirksam.

Eine einheitliche Linie für Reformen oder eine Aussetzung gibt es bislang nicht. Die EU hat Banken ab dem dritten Quartal 2008 erlaubt, bestimmte Kredite und Wertpapiere nicht mehr zum Marktwert zu bewerten, was etwa die Deutsche Bank genutzt hat.

Die Forderung nach Änderungen ist umstritten, weil die Banken in den Boomjahren von steigenden Buchwerten ihrer Vermögenswerte profitiert und Gewinne verbucht hatten. Eine Reihe von Instituten nutzt die Marktwertbilanzierung zudem, um ihre Verbindlichkeiten kleinzurechnen. Kritiker bemängeln, mit Reformen gehe die Transparenz verloren. Außerdem könne man in der Krise nicht einfach Regeln ändern, die in guten Zeiten Gewinne gebracht haben.

Der Riss geht mitten durch die Bankbranche: So setzt sich der internationale Lobbyverband Institute of International Finance (IIF) für Änderungen ein. Die US-Bank Goldman Sachs hingegen war darüber so verärgert, dass sie aus der Vereinigung austrat.

Am Donnerstag befasst sich ein Ausschuss des Repräsentantenhauses mit dem Thema. Dessen Vorsitzender Barney Frank von den regierenden Demokraten forderte eine Änderung der Bilanzierungsmethode. Die Regel Mark-to-Market müsse verbessert und flexibler gestaltet werden, sagte er.

Die Börsenaufsicht hat auf entsprechende Forderungen bisher jedoch zurückhaltend reagiert. Die SEC plane entgegen kursierender Marktgerüchte keine Aussetzung dieser Regel, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag. Die SEC wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

FTD.de, 08:05 Uhr
© 2009 Financial Times Deutschland

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Eine Antwort to “Bilanzierungsregeln: Back to „Mark to Fantasy“?”

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