Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Japan: Nullzins-Politik reloaded…

Posted by hw71 - 19. Dezember 2008


… zusätzlich will auch die Bank of Japan nun vermehrt Schulden aufkaufen.

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Kampf gegen Rezession

Japans Notenbank imitiert die Fed

Nach der Fed geht jetzt auch die Bank von Japan in die Offensive: Die Notenbank hat den Leitzins von 0,3 auf 0,1 Prozent gesenkt und nähert sich damit wieder dem Satz der 90er-Jahre. Zudem startet sie ein massives Aufkaufprogramm.

Die Bank of Japan (BoJ) eifert der US-Notenbank Fed nach. Am Freitag senkte die BoJ den Leitzins von 0,3 Prozent auf 0,1 Prozent und kündigte an, Unternehmensschulden aufzukaufen. Dazu weitete sie ihr Aufkaufprogramm von 1200 Mrd. Yen auf 1400 Mrd. Yen (15,6 Mrd. $) aus. Die Börse reagierte positiv auf die Entscheidung, der Nikkei dreht nach der Entscheidung kurz ins Plus und schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent.

Die BoJ bewegt sich im Tandem mit der Fed. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte am Dienstag den Leitzins von 1,0 Prozent auf ein Band von 0 bis 0,25 Prozent zurückgenommen. Zudem teilte Bernanke mit, die Politik des „Quantitative Easing“ auszuweiten. Darunter versteht man Wertpapierkäufe der Notenbank. Schon jetzt setzte die Notenbank das Instrument aggressiv ein: Die Bilanz blähte sich auf über 2300 Mrd. $ auf. Die Entscheidung der japanischen Währungshüter zeigt nun, dass sie nicht hinter den Lockerungskurs der Fed zurückfallen wollen. Bereits im Oktober sah sich die BoJ gezwungen, zum ersten Mal seit sieben Jahen den Leitzins zu auf 0,3 Prozent zu senken.

Starker Yen drückt Exporte

Mit der Zinssenkung versuchen die Japaner, die Rally des Yen zu stoppen. Die japanische Valuta legte in den vergangenen drei Monaten gegenüber dem Dollar um 17 Prozent zu. Die Yen-Stärke setzt vor allem den Exporten Japans zu. Die wirtschaftliche Situation des Landes ist angespannt: Das Land befindet sich in der Rezession. Die Stimmung der größten Industrieunternehmen ist so schlecht wie seit 34 Jahren nicht mehr.

Am Freitag revidierte die japanische Regierung ihre Wachstumsprognose nach unten. Ging sie zuvor noch von einem Wachstum von 1,6 Prozent aus, so erwartet sie nun für 2009 eine Stagnation. 2008 schrumpfte die Wirtschaft um 0,8 Prozent. Das ist der schwächste Wert seit 2001.

Die japanische Notenbank wird in ihrem Kampf gegen die Rezession von der Regierung unterstützt. Auch hier orientieren sich die Japaner an den Amerikanern: So werden kurzfristige Schuldpapiere (Commercial Paper) aufgekauft, zudem erwirbt der Staat für 20 Mrd. Yen Eigenkapital an den Banken, um deren Fähigkeit zur Kreditvergabe auszubauen.

Marktexperten streiten nun, ob die japanische Regierung zum ersten Mal seit vier Jahren den Wechselkurs des Yen zu drücken versuchen wird. Am Donnerstag hatte Japans Finanzminister Shoichi Nakagawa solch einen Schritt in Aussicht gestellt: „Wir werden die notwendigen Schritten einleiten, wenn es darauf ankommt.“ Auch Kabinettssekretär Takeo Kawamura hatte sich dementsprechend geäußert. Das wäre ein Rückfall in die Vergangenheit: Zwischen 2003 und März 2004 hatte das Finanzministerium mit einem Volumen von insgesamt 28.886 Mrd. Yen interveniert.

Die Meinungen gehen dazu weit auseinander. Die Währungsstrategen der Bank of America beziffern die Wahrscheinlichkeit auf rund 50 Prozent. Die Citigroup-Experten halten die bevorstehenden Weihnachtsferien für einen günstigen Zeitpunkt für Wechselkursmanipulationen. Merrill Lynch wiederum hält eine Intervention nur bei einer Kursspitze des Yen für möglich. „Die BoJ könnte im Falle von Preisspitzen Liquidität bereitstellen. Aber für halten es für unwahrscheinlich, dass sich Japan nachhaltig gegen eine Aufwertung des Yen stemmen wird“, hieß es in einem Researchbericht von Merrill Lynch.

FTD.de, 08:55 Uhr
© 2008 Financial Times Deutschland

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