Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Genossenschaftsbanken verbriefen Kredite munter weiter!

Posted by hw71 - 29. November 2008


… und ein großer Teil landet davon zwecks Refinanzierung der Banken bei der EZB!

Gefunden bei ftd.de:

Kreditderivate

Genossen verbriefen munter weiter

von Rolf Lebert (Frankfurt)

Trotz der gravierenden Finanzkrise werden weiterhin reichlich Kredite verbrieft – zumindest bei den Genossenschaftsbanken. Ein Großteil davon landet bei der EZB.

„Kreditverbriefung als Instrument der Banksteuerung ist wichtiger denn je“, sagt Matthias Hillmer, Abteilungsleiter Asset Securitization der DZ Bank, der FTD. Er leitet mit 20 Mitarbeitern das gesamte kapitalmarktbezogene Verbriefungsgeschäft der DZ-Bank-Gruppe.

Dazu gehört auch VR Circle, eine Verbriefungsplattform, die 2005 eigens für die rund 1000 von der DZ betreuten Volks- und Raiffeisenbanken entwickelt wurde. Seither wurden über VR Circle verbundintern Kredite für 1,1 Mrd. Euro verbrieft, zuletzt am 15. September – dem Tag, als die US-Bank Lehman kollabierte: An der Transaktion über 200 Mio. Euro nahmen 25 Volks- und Raiffeisenbanken teil. Insgesamt kommen etwa 500 Volksbanken mit starkem Firmenkundengeschäft für VR Circle infrage.

Dabei sind verbriefte US-Wohnimmobilienkredite der Auslöser der Finanzkrise, die auf die Realwirtschaft übergegriffen hat. Jahrelang hatten Banken Kredite gebündelt und weiterverkauft, um ihr Eigenkapital zu entlasten, mit dem sie Darlehen unterlegen müssen. Andererseits haben sie oftmals in Kredittranchen investiert, was ihnen jetzt Milliardenabschreibungen beschert – die öffentlichen Verbriefungsmärkte sind weitgehend tot. „Umso bemerkenswerter ist es, dass das Volumen kaum nachgelassen hat“, sagt Hillmer. Europas Markt für strukturierte Finanzierungen war in den ersten zehn Monaten 344 Mrd. Euro groß nach 384 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.

Allerdings haben sich die Strukturen radikal geändert. „Banken und Geldmarktfonds sind als Abnehmer dieser Papiere fast vollständig ausgefallen“, sagt Hillmer. Die Transaktionen würden direkt privat bei institutionellen Investoren platziert. Der größte Teil des verbrieften Kreditvolumens werde von den Banken jedoch zu Refinanzierungszwecken bei der Europäischen Zentralbank deponiert. „Der früher für dieses Geschäft maßgebliche Bankenmarkt ist tot“, sagte Hillmer.

Das kann dazu führen, dass die ohnehin restriktivere Kreditvergabe noch knapper wird, da die zur Unterlegung der Kreditrisiken notwendige Eigenkapitalbasis vieler Kreditinstitute wegen hoher Abschreibungen drastisch geschrumpft ist. Darunter leidet nicht nur die Großindustrie, sondern in Deutschland vor allem der Mittelstand.

Die Genossen versuchen, das Problem auch mit VR Circle zu umgehen, indem der Risikotransfer in einem geschlossenen verbundinternen Kreislauf gehalten wird. Da der gesamte Volks- und Raiffeisenverbund mitmacht, soll vermieden werden, dass regionale Klumpenrisiken bei einem örtlichen Institut hängen bleiben. Solche Risiken können entstehen, wenn eine Volksbank einen Großteil ihres Kreditgeschäfts mit nur einem ortsansässigen Unternehmen macht.

Technisch handelt es sich um „synthetische“ Verbriefung: Die Forderung bleibt in der Bilanz der am VR-Circle-Pool teilnehmenden Bank, gehandelt wird nur das Risiko. Grundsätzlich dürfen 50 Prozent eines Portfolios verbrieft werden, den Rest muss die Bank halten. „Damit erfüllen wir die geplanten EU-Anforderungen“, sagt Hillmer.

Auf ihre Kreditforderung begibt die Bank eine Schuldverschreibung in Form eines Derivats (Credit Linked Note), das mit anderen Schuldverschreibungen in einer Zweckgesellschaft zu einem Wertpapier gebündelt und wieder an die Banken verkauft wird. „Die Absicherung und entsprechende Gegenanlage treten damit zusätzlich zum Ursprungskredit, der weiterhin unangetastet auf der Bilanz verbleibt“, erläutert Hillmer. Im Kern ändere sich für die einzelne Bank ertrags- und kostenseitig wenig – ihr Risiko werde aber gegen einen geringen Aufschlag breiter gestreut.

Verbrieft werden Kredite guter Bonität, die den Kriterien des Verbundratings standhalten müssen. Zahlungsverzug wird nicht geduldet, zum Kunden muss eine mindestens zweijährige Kreditbeziehung bestehen. Fällt ein Kredit aus, wird der Geber bis zur eingetretenen Schadenshöhe aus dem Verbriefungspool entschädigt. Damit hat sich VR Circle an die Aufsichtsnorm Basel II angepasst. Zuvor galt als Maßstab für den Schadensausgleich der volle Versicherungsbetrag, der über die Verbriefung abgesichert ist.

Aus der FTD vom 28.11.2008
© 2008 Financial Times Deutschland, © Illustration: FTD.de

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