Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Was lernen wir aus der Krise?

Posted by hw71 - 15. November 2008


Gefunden bei cicero.de:

Was lernen wir aus der Krise?

Das größte Finanzdesaster seit Generationen wirft große Fragen auf. Also: Denken wir neu über Geld nach. Vor allem über das Management desselben. Hier sind zwölf Lehren aus der Krise, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Ein Text von Henrik Müller

Dieser Artikel ist bei unserem Kooperationspartner manager magazin online erschienen.

Banker-Bashing ist angesagt in diesen Zeiten. Alle prügeln auf die hochbezahlten Proto-Pleitiers ein. Nieten in Nadelstreifen, man kennt das ja.

Meinetwegen. Aber der Erkenntnisgewinn solch emotionaler Ausbrüche ist gering. Aus dem Geld-GAU, den wir derzeit erleben, sollten wir etwas lernen. Alle paar Jahre können wir uns ein solches Desaster jedenfalls nicht leisten.

Also: Reden wir über Geld. Vor allem über das Management desselben. Hier ist eine Liste von Lehren aus der Finanzkrise, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

– Ein zu dynamischer Finanzsektor kann gefährlich werden – weil er ganze Nationen in den Ruin treiben kann. Je größer die Rolle ist, die Banken, Börsen, Fonds und Versicherungen in einem Land spielen, desto höher ist das Risiko für die gesamte Volkswirtschaft im Falle einer Finanzkrise. Irland, Island und Großbritannien erleben das gerade.

– Die Wirtschaftspolitik wird ihre Prioritäten ändern. In vielen westlichen Ländern haben sich die Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten ausgiebig um das Gedeihen des Finanzsektors gekümmert. Eine risikoreiche Strategie, wie sich jetzt zeigt. Künftig wird die Politik das Gegenteil tun: Wachstum und Größe des Finanzsektors begrenzen. Insbesondere:

– Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten. Das schmälert ihre Möglichkeiten zur Kreditvergabe. Finanzmarktgeschäfte auf eigene Rechnung werden nur noch begrenzt erlaubt sein.

– Banken müssen enger reguliert werden. Das heißt vor allem: Alle Risiken, die sie eingehen, müssen in der Bilanz ausgewiesen werden, und zwar egal, in welchem Land diese Risiken liegen. Bei internationalen Banken darf es keine Regulierungslücken geben.

– Banken müssen für Risiken, die sie kreieren, selbst gerade stehen. Risiken (schlechte Hypotheken zum Beispiel) einfach zu verkaufen – nach dem Motto: irgendein Depp wird sich schon finden, oder im feineren Banker-Jargon „originate and distribute“ – führt zu halsbrecherischer Kreditvergabe.

– Banken müssen in guten Zeiten Eigenkapitalpolster aufbauen, um in schlechten Zeiten nicht an den Rand der Insolvenz zu geraten. Das dämpft die Lust zur Kreditvergabe in der Hochkonjunktur und führt im Abschwung nicht in die Kreditklemme. „Prozyklisches“ Verhalten des Finanzsektors muss eingedämmt werden, zurückgedrängt.

– Um es kurz zu sagen: Die fetten Jahre für die Banken sind vorbei. Das gilt übrigens auch für die Banker persönlich. Giga-Boni, die an kurzfristige Ergebnisse gebunden sind, aber langfristig ganze Institute destabilisieren können, dürften künftig von den Regulierern untersagt werden. Zu gefährlich.

– Notenbanken müssen bei der Geldversorgung der Volkswirtschaft strikter sein. Zu lange ist die Welt auf einer Liquiditätswelle gesurft, die in die Schuldenorgien der vergangenen Jahre gemündet ist. Die Ära Alan Greenspans hat die Welt in die Irre geführt.

– Der Inflationsbegriff muss weiter gefasst werden. Notenbanken, die sich allein auf die Steigerung der Verbraucherpreise konzentrieren, handeln leicht verantwortungslos. Wenn Vermögenspreise und Kreditvolumina gleichzeitig stark wachsen, müssen sie dämpfend einschreiten. Nicht nur wenn sie fallen (wie derzeit).

– Wechselkurse müssen flexibel, zumindest aber anpassungsfähig sein, so dass sich dramatische globale Ungleichgewichte, wie sie heute bestehen, nicht wieder aufbauen können. Hätte China seine Währung gegenüber dem Dollar aufwerten lassen, hätte Amerika das Geld für seine Schuldenorgie und seine Hauspreisblase gefehlt.

– Der Staat darf die Schuldenaufnahme nicht subventionieren. Das betrifft insbesondere den Häusermarkt in Amerika. In den USA können Hausbesitzer ihre Schuldzinsen von der Steuer absetzen. Semi-öffentliche Finanzierer wie die früher quasi-staatlichen und jetzt ganz staatlichen US-Institute Fanny Mae und Freddy Mac dürfen den finanzierenden Banken nicht die daraus entstehenden Risiken abkaufen.

– Wie kommen wir aus dem Finanzchaos wieder raus? Mit ein paar grundlegenden Tugenden, an die es sich gerade jetzt wieder lohnt zu erinnern. Vor allem: Arbeiten, Sparsamkeit, Kreativität – wie ich in meinem neuen Buch „Die sieben Knappheiten“ beschreibe.

Dieser Artikel ist bei unserem Kooperationspartner manager magazin online erschienen.

Ausdruck von http://www.cicero.de/97.php?ress_id= 6&item= 3112

© Cicero 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Ringier Publishing GmbH

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: