Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

WestLB bringt Sparkassen in Nöte

Posted by hw71 - 5. November 2008


Die WestLB ist wieder in den Schlagzeilen – diesmal mit Geschäften mit CDO-Papieren, die sie zwischen 2003 und 2006 vor allem an kleinere Sparkassen in Nordrhein Westfalen verkauft hat und die nun hohe Abschreibungen nach sich ziehen.

Und als ob das noch nciht reichen würde, berichtet der Artikel von einer WelstLB New York Capital Investment – einem sogenannten „Investment Vehicle“, in das zahlreiche Sparkassen vis zu 500 Millionen Euro investiert hatten. Unglücklicherweise investierte dieses Vehicle ausgerechnet in Bereiche, die besonders schwer von der Finazkrise gebeutelt wurden (Immobilen, Kreditkarten etc), d.h. auch hier könnten noch zusätzlcihe Belastungen auf die Institute zukommen.

Besonders interessant auch der Hinweis, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass die kleineren Sparkassen gegen die WestLB wegen dieser Geschäfte klagen würden, denn dann würden die Banker eingestehen, dass sie die Produkte, die die WestLB ihnen angedreht hatte, nicht verstanden hätten…

Gefunden bei ftd.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Verspekuliert

WestLB bringt Sparkassen in Nöte

von Nina Luttmer (Frankfurt)

Zahlreiche Sparkassen haben weit stärker in riskante Wertpapiere investiert als bislang bekannt. Nach FTD-Informationen steht in Nordrhein-Westfalen eine ganze Reihe von Instituten vor hohen Abschreibungen – vor allem kleinere Häuser sind betroffen.

Hinter den Belastungen stehen Geschäfte mit der WestLB. Die Düsseldorfer Landesbank, die den NRW-Sparkassen zu 50,4 Prozent gehört, hatte den kommunalen Instituten zwischen 2003 und 2006 in großem Stil sogenannte CDO-Papiere verkauft. Die Transaktionen erfolgten im Rahmen eines „House of Europe“ getauften Programms, das alles in allem 5 Mrd. Euro schwer war. Die WestLB-Investmentbanker hatten die hochkomplexen Kreditpapiere nicht nur vertrieben, sondern selbst strukturiert.

Die Fehlspekulationen nagen am Ruf der Sparkassen, die im Vergleich zu den privaten Großbanken bislang glimpflich durch die Finanzkrise zu kommen scheinen. Zwar sind die Institute durch ihre Beteiligungen an den Landesbanken mittelbar von den Turbulenzen an den Finanzmärkten berührt – von direkten Belastungen einzelner Häuser war bis dato aber kaum die Rede. Vonseiten der Sparkassenverbände hieß es in den letzten Monaten stets, falls Institute in ausfallgefährdete Papiere investiert hätten, dann nur in geringem Ausmaß.

Aus Kreisen der NRW-Sparkassen verlautete nun hingegen, dass einige Häuser CDO-Papiere im Eigenhandelsbestand Depot A komplett oder in gravierendem Umfang abschreiben müssen. Für kleinere Sparkassen, die häufig bloß niedrige einstellige Millionengewinne erwirtschaften, können sich siebenstellige Abschreibungen bereits zu einem schweren Ballast entwickeln.

Zwar stehe derzeit kein kommunales Institut vor unlösbaren Problemen, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Gleichwohl seien die aus dem WestLB-Programm herrührenden Belastungen für einige Häuser „ziemlich schlimm“. Diverse Institute müssten stille Reserven auflösen, um überhaupt noch Gewinn auszuweisen, sagte ein Sparkassen-Manager.

Dem Vernehmen nach prüfen einige Sparkassen rechtliche Schritte gegen die WestLB. Sie werfen der Landesbank vor, sie bei dem Verkauf der Papiere falsch beraten zu haben. „House of Europe“ sei ein Vertriebsschlager der WestLB gewesen. Die Düsseldorfer hätten das Programm „aggressiv vermarktet“, sagte ein Sparkassenvorstand. Dass die kommunalen Institute ihre Landesbank tatsächlich verklagen, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Schließlich, so wird argumentiert, müssten die Vorstände dann eingestehen, dass sie das Produkt nicht verstanden hätten.

Sorgen machen sich mehrere Sparkassen auch um ihr Engagement in der WestLB-Gesellschaft WestLB New York Capital Investment. Die Institute haben dem Vernehmen nach 500 Mio. Euro in das Anlagevehikel gesteckt, die Landesbank selbst ebenfalls 500 Mio. Euro. Die Gesellschaft ist vor allem in Bereichen investiert, die von der Finanzkrise besonders gebeutelt sind – etwa in Papieren, die auf Kreditkartenforderungen, Immobiliendarlehen oder Bankanleihen basieren. Bislang gebe es aber noch keine Ausfälle, sagten mehrere Sparkassenvorstände.

Unklar ist derzeit noch, ob die WestLB die riskanten Papiere aus dem „House of Europe“-Programm komplett an die Sparkassen veräußerte – oder ob noch Risiken bei der schwer angeschlagenen Landesbank selbst oder bei anderen Käufern liegen. Die CDOs beruhen auf Hypothekenpapieren vor allem aus Europa, aber auch aus den USA. Verwaltet wird das Programm von Collineo Asset Management.

Aus der FTD vom 05.11.2008
© 2008 Financial Times Deutschland, © Illustration: ddp

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