Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

LBBW erster Kandidat für Rettungsgeld?

Posted by hw71 - 17. Oktober 2008


Gefunden bei handelsblatt.com (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

15.10.2008

NRW-Minister: LBBW erster Kandidat für Rettungsgeld

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wird nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Finanzministers Helmut Linssen wohl das milliardenschwere Hilfspaket für die Finanzbranche in Anspruch nehmen. Die Landesbank dementierte zwar: Man sehe dazu keinen Anlass. Dabei sind sich Experten einig: Die Landesbanken dürften viel eher zugreifen als die Privatbanken.

HB DÜSSELDORF. „Die LBBW möchte offensichtlich als erste in den Fonds kommen“, ließ Helmut Linssen (CDU) im Düsseldorfer Landtag die Bombe platzen. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die WestLB seien dagegen wegen der bereits zu Jahresanfang beschlossenen Milliarden-Garantien der Eigner nicht so gravierend, betonte der CDU-Politiker.

Nordrhein-Westfalen ist maßgeblich an der WestLB beteiligt, die wegen Fehlspekulationen – wie die BayernLB – bereits mit staatlichen Garantien arbeitet. Wegen dieser milliardenschweren Zusagen seien die aktuellen Auswirkungen der Finanzkrise auf die WestLB auch nicht so gravierend. Die LBBW war im vergangenen Jahr der früheren SachsenLB beigesprungen und bewahrte diese vor der Pleite. Seitdem fahren die Stuttgarter Verluste ein.

Die Landesregierungen in Düsseldorf und Stuttgart verbindet seit langem eine ausgeprägte Aversion. An dieser Rivalität war im vergangenen Jahr auch eine Fusion von WestLB und LBBW gescheitert.

Die Stuttgarter LBBW, das kapitalkräftigste Institut in öffentlicher Regie, ging auf die Barrikaden. „Die LBBW steht in puncto Liquidität und Eigenkapital im Branchenvergleich sehr gut da und sieht keinen Bedarf, das Paket der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen“, erklärte LBBW-Chef Siegfried Jaschinski. „Da scheint Minister Linssen falschen Informationen aufgesessen zu sein.“ Es gebe „keine konkreten Absichten“ seines Instituts zur Inanspruchnahme staatlicher Garantien oder Finanzspritzen. Ein LBBW-Sprecher fügte hinzu, er könne Linssens Aussagen „nicht nachvollziehen“.

Die größte deutsche Landesbank prüfe derzeit noch, ob sie das Paket später in Anspruch nehmen will. Wann die Entscheidung fallen soll, ist noch unklar. Wegen der Zuspitzung der Finanzkrise hatte die Bank ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr zurückgezogen und noch keinen neuen Zielwert für 2008 genannt. Im ersten Halbjahr schrieb die LBBW rote Zahlen, der Konzernverlust belief sich auf 144 Mio. Euro.

Offiziell haben die Banken das Rettungspaket für die deutsche Finanzbranche mit Wohlwollen begrüßt. Doch hinter den Kulissen macht sich vor allem bei den privaten Banken Skepsis über die 500 Milliarden Euro schweren Hilfen des Bundes breit. Die von Finanzminister Peer Steinbrück angedrohte politischen Mitsprache nach einer Inanspruchnahme der Stützungsmaßnahmen schreckt viele ab.

Experten sind sich unterdessen einig: Wenn überhaupt, werden vor allem die ohnehin im Staatsbesitz befindlichen Landesbanken auf die Unterstützung der Regierung zurückgreifen. „Das Ganze ist ein Rettungspaket für die öffentlichen Banken“, sagte ein Investmentbanker, der wie viele andere seinen Namen angesichts des heiklen Themas nicht nennen will. „Jede private Bank, die es sich nur irgendwie leisten kann, wird alles tun, um das Paket nicht zu benötigen.“

Überdies würde jedes Haus, das den Finger hebe und um Zuschüsse bitte, von der Börse mit großer Wahrscheinlichkeit massiv abgestraft. „60 bis 70 Prozent des Pakets werden nie in Anspruch genommen“, sagt ein anderer Banker voraus. „Vieles spricht dafür, dass vor allem Landesbanken das Paket in Anspruch nehmen“, schließt sich der Nürnberger Wirtschaftsprofessor Wolfgang Gerke der Ansicht an.

Die ein oder andere von ihnen könne die Hilfen gut gebrauchen. Auch hätten sie weit weniger Berührungsängste mit der Politik als private Banken. Landesbanken gehören Sparkassen und Ländern – letztlich also dem Staat. Die WestLB und die BayernLB mussten von ihren Eignern schon mit Milliarden gestützt werden.

Der am Wochenende von der Bundesregierung eilig geschnürte Finanzmarktstabilisierungsfonds bietet Banken mehrere Optionen: Sie können sich frisches Eigenkapital beschaffen und Garantien für Interbankenkredite, Zweckgesellschaften oder Wertpapiere geben lassen.

Das verbindet Steinbrück aber mit harten Auflagen. „Wir werden auf die geschäftspolitische Ausrichtung Einfluss nehmen. Wir werden Boni zum Thema machen und die Abfindungen“, wetterte er bei der Vorstellung des Pakets am Montag in Berlin. Besonders bedrohlich dürfte in den Augen der hochdotierten Banker seine Ankündigung zur Begrenzung von Managergehältern wirken. 500 000 Euro Höchstgrenze stellte er in den Raum – ein Klacks für viele Investmentbanker, die sich jahrelang eine goldene Nase verdient hatten.

Das neue Gesetz für den Fonds, das noch in dieser Woche verabschiedet werden soll, lässt nach Ansicht von Bankern viele Punkte offen. So sei Unklar, wieviel für die Inanspruchnahme der Garantien zu bezahlen sei. „Die Gebühr soll durchaus so sein, dass es schmerzt“, machte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen klar. Allerdings solle sie die Institute auch nicht erdrosseln.

Mindestens zwei Prozentpunkte Aufschlag auf den zwischen Banken üblichen Zins hat der Bund nach Aussage von Investmentbankern in den Raum gestellt. Das sei „verdammt hoch“, beklagen einzelne Banker. Damit dürfte den Instituten nichts anderes übrig bleiben, als die Kosten für Darlehen an Kunden zu erhöhen oder das Kreditvolumen einzuschränken.

Und wenn keiner Farbe bekennen will und die Staatshilfe in Anspruch nimmt? Auch dann könne das Paket Wirkung entfalten, sagen Experten. „Ich glaube ja, denn es schafft generell Vertrauen am Markt,“ zeigte sich Analyst Stefan Stalmann von Dresdner Kleinwort sicher.

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: