Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Bankenkrise: Anleiheversicherer kaufen sich frei…

Posted by hw71 - 4. August 2008


Ein Puzzlestein in der aktuellen Krise sind die Anleiheversicherer (sog. Monoliner), die – vereinfacht und fachlich sicherlich nicht korrekt ausgedrückt – für mehr Anleihen Garantien übernommen hatten, als sie eigentlich stemmen können. Solange die Ratings für diese Spezialversicherer erstklassig waren (AAA) war es kein Problem für diese, sich am Kapitalmarkt zu vergleichsweise günstigen Konditionen Geld zu besorgen. Durch die aktuelle Finanzkrise änderte sich die Finanzwelt allerdings grundlegend und das Risiko wird aktuell gescheut wie das Weihwasser vom Teufel.

Im nachfolgenden Artikel wird erklärt, warum sich nun Banken mit 500 Millionen Dollar „zufriedengeben“, obwohl die Garantierverträge einen Umfang von 3,7 Milliarden Dollar hatten…

Gefunden bei ftd.de:

Einigung mit Modellcharakter

Banken schlachten Monoliner aus

von Yasmin Osman (Frankfurt) und Sebastian Bräuer (New York)

Mit einer neuen Strategie versuchen angeschlagene Anleiheversicherer, ihre existenzbedrohenden Garantieverträge zu reduzieren. Jüngstes Beispiel ist die Einigung zwischen dem zweitgrößten Anleiheversicherer Ambac und der US-Investmentbank Citigroup.

Danach verzichtet die Bank auf den Versicherungsschutz für ein 1,4 Mrd. Euro großes komplexes Wertpapier (Collateralized Debt Obligation, CDO). Ambac, das eine Garantieerklärung für dieses Papier gegeben hatte, leistet im Gegenzug eine Strafzahlung von 850 Mio. $. Aus Sicht der Bank bedeutet das, dass sie sich von dem Anleiheversicherer Geld holt, solange dieser noch welches hat.

Das Beispiel könnte Experten zufolge Schule machen: In den vergangenen Monaten hatte sich gezeigt, dass Spezialversicherer wie Ambac mehr Garantien für die riskanten CDO-Anleihen ausgesprochen hatten, als sie im Krisenfall schultern können. Seither haben die Ratings der meisten Bondversicherer so stark gelitten, dass sie an den Kapitalmärkten praktisch kein Geld mehr bekommen und auch vom Neugeschäft ausgeschlossen sind. Mit Einigungen wie dieser könnten die auch Monoliner genannten Versicherer einen Teil dieser verlustreichen Garantien abbauen. Kritiker warnen allerdings vor Nachteilen für andere Gläubiger der Monoliner.

Banken tragen Restrisiken selbst
Marktbeobachter gehen davon aus, dass es zu weiteren vergleichbaren Ausgleichszahlungen kommen wird. Einige Tage zuvor hatten bereits Merrill Lynch und der kleinere Anleiheversicherer Security Capital Assurance (SCA) eine ähnliche Vereinbarung getroffen: SCA zahlt Merrill 500 Mio. $, um Garantieverträge im Umfang von 3,7 Mrd. $ aufzulösen.

„Unter den aktuellen Marktbedingungen ist das eine gute Lösung für beide Seiten“, sagte Sean Egan, Gründer der Kreditratingagentur Egan-Jones. Mehrere Anleiheversicherer seien auf diese Lösung angewiesen, weil sie sonst teilweise fürchten müssten, zahlungsunfähig zu werden.

Die Aufhebung der Garantieverträge hat zur Folge, dass die Banken die Restrisiken der Wertpapiere nun selbst tragen müssen. Egan geht davon aus, dass die Banken zu weiteren Abschreibungen auf die CDO-Portfolios gezwungen sind. Das legen auch Angaben von Ambac nahe: So habe der Citigroup-CDO 750 Mio. Euro an Wert verloren. Ratingagenturen hätten mit weiteren Verlusten gerechnet, die über der Entschädigung von 850 Mio. $ liegen. Daher erwartet Ambac nun einen Bewertungsgewinn von 150 Mio. $.

Dass die Banken sich dennoch darauf einlassen, liegt nach Einschätzung des Analysehauses Creditsights an der Form der Verträge, die Investmenthäuser mit den Monolinern für CDOs abgeschlossen haben. Diese Versicherungen wurden in Form von Credit Default Swaps (CDS) ausgestaltet: Sie funktionieren ökonomisch zwar wie Versicherungen, genießen juristisch aber nicht den gleichen privilegierten Status.

Das hätte schwerwiegende Folgen im Falle einer Monoliner-Pleite oder einer Zwangsverwaltung durch die Aufsichtsbehörden. „Da CDS-Kontrakte keine Versicherungen sind, rangieren sie bei einer Intervention der Aufsichtsbehörden hinter den Ansprüchen der Versicherungsnehmer“, schreibt Creditsights-Analyst Rob Haines. „Ein zynischer Investor würde diese Umwandlungen schlicht als Methode betrachten, bei der die erfahreneren Geschäftspartner für strukturierte Produkte an denen vorbeiziehen, die Kommunalanleihen besichert haben“, schreibt Haines.

„Es gibt einen massiven Anreiz für die CDS-Geschäftspartner, an das verbliebene Kapital heranzukommen, solange sie das noch können“, so Haines. Den Schaden tragen die Besitzer von Kommunalbonds, befürchtet er. Zwar hoffen die Monoliner, auf die Art ihre Kapitaldecke zu stärken, doch Haines befürchtet, dass die Kapitalausstattung dadurch nur noch schneller erodiert. Ihn erstaunt, dass sich die Besitzer von Kommunalbonds nicht wehren: „Wir können nur spekulieren, dass sie nicht verstehen, was die Geschäftspartner im strukturierten Anleihebereich durch diese Umwandlungen versuchen.“

Zweierlei Geschäft
Kerngeschäft Ursprünglich haben Monoliner nur Anleihen von US-Städten und Gemeinden garantiert: Die Kommunen zahlen Gebühren, dafür leisten die Monoliner Zins- und Tilgungszahlungen für die Anleihen, falls eine Kommune pleitegeht. Diese Garantien sicherten den Kommunalbonds gute Bonitätsnoten.

Nebengeschäft
In den vergangenen Jahren haben Monoliner aber auch zunehmend die riskanteren und komplexen strukturierten Wertpapiere abgesichert. Die Verluste aus diesem Bereich bedrohen nun ihre Existenz.

Aus der FTD vom 04.08.2008
© 2008 Financial Times Deutschland

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