Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: DAX mit größtem Tagesverlust seit 9/11

Posted by hw71 - 21. Januar 2008


Anmerkung: Diesen Artikel von Januar 2008 habe ich aus meinem Google-Notebook hier in den Blog kopiert, da ich mich darauf in der neuen Chronologie-Zusammenfassung beziehe, die voraussichtlich Ende 04/2010 online geht…

Gefunden bei tagesspiegel.de:

21.01.2008 19:54 UhrK

Höchste Dax-Verluste seit dem 11. September

Panikstimmung an den Aktienmärkten Europas und Asiens: Aus Angst vor einer Rezession wurden heute mehr als 66 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht oder geht der Kurssturz weiter?

Der Deutsche Aktien-Index Dax stürzte in Frankfurt um 7,16 Prozent auf 6790,19 Zählern in die Tiefe, prozentual der größte Tagesverlust seit den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001. Zeitweilig wurden mehr als 66 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. In den USA wächst die Angst vor einer Rezession als Folge der Immobilien- und Kreditkrise. Führende Politiker in der EU äußerten sich besorgt, verwiesen aber auch auf gute Wirtschaftsdaten in Europa und hofften auf eine Beruhigung.

„Hier findet ein massiver Ausverkauf statt. Es herrscht die nackte Panik“, sagte ein Händler in Frankfurt. „Wir sehen den klassischen Crash.“ Auch die Börsen in Paris und London schlossen mit massiven Abschlägen. Aus den USA gab es keine Impulse, da die dortigen Börsen wegen eines Feiertags geschlossen blieben. Der Eurostoxx 50, in dem die schwergewichtigsten 50 europäischen Aktienwerte zusammengefasst sind, brach um 7,31 Prozent auf 3703,05 Punkte ein.

Glos warnt vor Panik

Am schwersten gebeutelt wurden Bank- und Versicherungstitel, wie die Allianz und die Deutsche Bank, aber auch Immobilien- und Energietitel wie Hypo Real Estate oder Eon. Bei der Allianz wurden Mittelabflüsse von mehr als sechs Milliarden Euro verbucht. Die Aktien stürzten um 9,99 Prozent auf 119,88 Euro ab. Hypo Real Estate brachen um 18,46 Prozent auf 17,98 Euro ein.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte angesichts des Dax-Einbruchs vor Panik. Es gebe für die wirtschaftliche Entwicklung keinen Grund zur Sorge, sagte Glos in Berlin. Die Realwirtschaft sei in ordentlicher Verfassung.

Aufgrund der Folgen der US-Immobilien- und Kreditkrise hatten viele Experten eine stärkere Kurskorrektur im Lauf des Jahres erwartet, aber von Zeitpunkt und Ausmaß wurden die Märkte am Montag völlig überrascht. „Das ist keine Information, die neu hereinkommt – das ist Meinung, Spekulation, Panik“, sagte der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Martin Weber. Den Dax-Absturz führte er auf die US-Finanzmarktkrise und deren bislang unkalkulierbaren Risiken für die Banken zurück. „Man hat nicht gewusst, wie groß das Problem ist. Jetzt kommt die Bewertung durch die Banken heraus – und sie ist schlimmer, als man dachte. Und daher sagen die Leute, jetzt mache ich nicht mehr mit, jetzt will ich die Aktien loswerden.“

Solide Wirtschaftsdaten in Europa

„Wir haben das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht“, sagte der Börsenexperte Wolfgang Gerke. „2008 wird ein schlechtes Börsenjahr.“ „Man dachte, dass Deutschland ungeschoren davonkommt. Aber die Delle in der Konjunktur kommt“, sagte Gerke – auch wenn davon bisher in den realwirtschaftlichen Daten kaum etwas zu sehen sei. „Aber die Börse denkt voraus.“ Die Stimmung an den Börsen werde derzeit von immer neuen schlechten Meldungen aus der Finanzwelt gedämpft. „Mit den Jahresabschlüssen der Banken werden wir noch eine ganze Reihe negativer Überraschungen bekommen.“

Die Kursstürze haben in der EU erhebliche Besorgnis ausgelöst. „Die übermäßige Schwankung der Märkte ist keine gute Nachricht“, sagte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia. Er hoffe auf eine Beruhigung: „Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Europa sind in Ordnung.“ Auf die Frage, ob die konjunkturelle Verlangsamung in den USA auf Europa übergreifen könnte, sagte der amtierende Vorsitzende der EU-Finanzminister, der slowenische Ressortchef Andrej Bajuk: „Wir sind alle besorgt. (…) Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist wie es aussieht.“

Steht in den USA eine Rezession bevor?

Bereits am Morgen hatten die asiatischen Handelsplätze kräftige Verluste zwischen vier und mehr als sieben Prozent verbucht. Die Börse in Tokio verlor zum Wochenauftakt 3,86 Prozent. Der Hang-Seng-Index in Hongkong gab 5,49 Prozent ab, in Indien rutschte der Sensex um 7,41 Prozent ab. Mit einem Minus war zwar nach den Verlusten an den amerikanischen Börsen in der Vorwoche gerechnet worden, aber nicht mit dem massiven Kurseinbruch. Der Dow Jones und Nasdaq-Index hatten im Verlauf der vergangenen Woche rund vier Prozent verloren und auch am Freitag im Minus geschlossen.

Das von US-Präsident George W. Bush vorgelegte Konjunkturförderpaket könnte nicht ausreichen, hieß es. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA eine Rezession erleben werden, sind hoch und dieses Szenario wird gerade an den Börsen weltweit gespielt“, sagte ein Börsianer in Frankfurt. (ho/dpa)

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