Edit 03.02.2009: da der Artikel offensichtlich doch öfter gelesen wird, habe ich mal ein paar Typos entfernt…
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Wenn ich eins nach knapp zwei Jahren Beschäftigung mit der Finanzkrise gelernt habe, dann ist es, dass ich nichts weiß. Aber nicht nur das (denn das hatte ich auch schon vorher geahnt
). Es hat mich doch ein wenig erschüttert, dass viele andere kluge Köpfe, die sich schon ihr ganzes Leben mit dieser Materie auseinandersetzen, sich nicht darüber einig sein können, wie es nun weitergehen wird.
Auf der einen Seite haben wir die Gruppe derjenigen, die eine Inflation voraussehen – und auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die eher eine deflationäre Phase erwarten. Also zumindest aus Sicht des Bürgers betrachtet gerade das Gegenteil.
Befasst man sich etwas intensiver mit den beiden Theorien, stellt man fest, dass die Deflation so ziemlich das schlimmste ist, was man im Kapitalismus befürchten muss, denn es gibt nicht wirklich ein Rezept für den Weg aus einer Deflation. Deshalb muss eine Deflation mit allen Mitteln verhindert werden, denn sonst wird es ein langer Weg – siehe z.B. Japan, die bis heute an den Problemen aus den 90′er Jahren zu knabbern haben.
Instrumente, um eine Deflation zu verhindern, sind z.B. niedrige Zinsen um die Bereitschaft bei den Banken zur Kreditvergabe und der Bevölkerung zur Verschuldung zu stimulieren. Dies wiederum wirkt inflationär – und eine „Grundinflation“ in gewissen Grenzen wird ja zwischenzeitlich von der Bevölkerung als „normal“ akzeptiert. Jeden Monat werden Zahlen über die Preissteigerungen im vergangenen Monat als Prozentzahl präsentiert (ob die Art und Weise, wie die Preissteigerungen berechnet werden, nun der Realität sehr nahe kommen, ist eine andere Sache) und diese Zahlen sind mal höher und mal niedriger. In den letzten Monaten waren sie wegen der höheren Rohstoffpreise eher in höheren Regionen – aber ich kann mich nicht erinnern, dass mir mal eine eine negative Prozentzahl über den Weg gelaufen ist, was bedeuten würde, dass die Preise, die zur Berechnung der Inflationsrate herangezogen werden, großflächig zurückgegangen sind.
Allerdings scheinen die Mittel, um eine Deflation zu verhindern, ja nicht immer zu wirken – wie man am Beispiel Japan sieht. Die Frage, welche Art von „Flation“ wir also bekommen werden, scheint also tatsächlich nicht ganz so trivial zu sein.
Zumindest tauchen jetzt, wo abzusehen ist, dass sich erste Auswirkungen der Finanzkrise doch auch in der Realwirtschaft zeigen, auch Berichte einer drohenden Deflation in den Zeitungen auf. Und wenn man die Geschichte der Deflation in Japan mit den aktuellen Ereignissen in Europa und USA vergleicht, findet man viele Parallelen:
- platzen einer Immobilienblase
- Banken stark betroffen
- eingeschränkte Kreditvergabe
- Auswirkungen auf die Realwirtschaft
- sinkende Zinsen zum Gegensteuern
- Bevölkerung hält Investitionen zurück (aus Angst, das Ersparte für Unnötiges auszugeben – oder aus dem Gedanken heraus, dass die Preise durch die Krise ohnehin fallen werden und man auch später – und dann billiger – kaufen kann)
Der letzte Punkt ist meiner bescheidenen Meinung nach entscheidend, denn dieser kann durchaus dazu führen, dass die Deflation tatsächlich angestoßen wird. Deshalb wäre ein gleichzeitiges Konjunkturprogramm zum Ankurbeln der Wirtschaft vielleicht nicht unbedingt das Schlechteste, anstatt nur eines Rettungspakets für die Banken, denn: selbst wenn die Banken durch das Paket „gerettet“ werden – was bringt es, wenn die Konsumenten aus Angst, ihr Geld unnötig auszugeben, trotzdem zusammenhalten und nicht mehr Konsumieren wollen – geschweige denn, sich wieder verschulden wollen?
Überhaupt scheint die Bereitschaft, sich zu verschulden, ein essentiell wichtiger Punkt im Kapitalismus zu sein. Das zumindest steckt „grob gesagt“ hinter der Theorie des Debitismus: demnach ist unser Finanzsystem eine Art Kettenbrief, der auf Schulden aufbaut und wenn, aus welchen Gründen auch immer, keine Nachschuldner mehr gefunden werden, bricht der Kettenbrief ab.
Hier nun ein Artikel zu den Gefahren einer Deflation aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
Finanzkrise
Die Gefahr der Deflation
Von Christian von Hiller
17. Oktober 2008 Viele Anleger hoffen darauf, dass die nun beschlossenen Hilfspakete die Rettung aus der Finanzkrise bringen. Doch diese Hoffnung könnte verfrüht sein. Noch liegen viele Aspekte der Finanzkrise im Dunkeln. Vor allem sind die Ursachen noch nicht ganz geklärt. Damit besteht ein gewisses Risiko, dass die Rettungspakete möglicherweise nicht an der richtigen Stelle ansetzen.
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