Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Mit ‘CDO’ verschlagwortete Einträge

Deutschland: 90 Mrd. EUR Abschreibungsbedarf bei Banken

Verfasst von hw71 am 25. November 2009

… laut aktuellem Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank. Damit liegt sie immerhin 30 Mrd. EUR über dem, was Merrill Lynch vor kurzem in einer Studie an Wertberichtigungsbedarf bei deutschen Banken sah.

Gefunden bei sueddeutsche.de:

Bundesbank

Das 90-Milliarden-Euro-Risiko

25.11.2009, 14:33

Die Konjunkturdaten sehen besser aus, die Politik hofft, aber Bundesbank-Chef Axel Weber bremst. Er sieht noch einen gewaltigen Abschreibungssbedarf bei Banken.

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USA: Dominoeffekt bis hin zu leeren Regalen im Falle von CIT-Pleite

Verfasst von hw71 am 17. Juli 2009

Related Post: „USA: Kreditklemme durch Krise von Mittelstandsfinanzierer CIT?

Gefunden bei ftd.de:

Dominoeffekt in der Provinz

Furcht vor leeren Regalen wegen CIT-Pleite

von Tobias Bayer (Frankfurt)

Die USA steht vor dem größen Bankencrash seit Washington Mutual: Der Mittelstandsfinanzierer CIT Group sucht verzweifelt privates Kapital. Einzelhändler rechnen mit einer Pleite und berichten über Lieferstopps – Tausende Unternehmen bangen um ihre Existenz.

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Grundlagenartikel: Was es mit AIG auf sich hat…

Verfasst von hw71 am 8. März 2009

Ein sehr interessanter Artikel zum ehemals größten Versicherungsunternehmen der Welt, das unter anderem auch in Deutschland durch die Cross-Border Leasing Geschäfte deutscher Kommunen engagiert war.

Gefunden bei sueddeutsche.de:

07.03.2009 11:25 Uhr
AIG

Das gefährlichste Unternehmen der Welt

Maurice Greenberg und sein Erbe: Wie der Versicherer American International Group zu einer Bedrohung für die globale Wirtschaft wurde.
Von Nikolaus Piper

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Deutschland: Berlin mit Millionenverluste aus Cross Border Leasing

Verfasst von hw71 am 4. Februar 2009

Related Posts: alle aus der Kategorie Cross Border Leasing.

Gefunden bei morgenpost.de:

Millionenverluste

Berliner Verkehrsbetriebe haben sich verzockt

Mittwoch, 4. Februar 2009 10:27
Riskante Finanzgeschäfte könnten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) teuer zu stehen kommen. Sie hatten mit amerikanischen Investoren Verträge über U- und Straßenbahnwagen abgeschlossen. Für beide Seiten sollten sich die Deals lohnen. Doch dann kam die Finanzkrise.
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USA: Zweifelhafte Positionen in den Bankbilanzen erhöhen sich weiter…

Verfasst von hw71 am 12. Dezember 2008

Obwohl die Banken in den vergangenen Wochen das Lied von „mehr Transparenz bzgl. der Bilanzierungen“ gesungen haben, um so schlußendlich auch wieder mehr Vertrauen bei den Investoren zu bekommen, scheinen sie einem Bericht der Financial Times zufolge eher das Gegenteil zu praktizieren: um sage und schreibe 15,5% stiegen die sogenannten „Level 3 Assets“ im 3. Quartal im Vergleich zum Vorquartal an.

Mit „Level 3 Assets“ bezeichnet man Positionen in einer Bilanz, für die es (aktuell) keinen Markt gibt, d.h. man kann den aktuellen Wert dieser Positionen nicht bestimmen. Stattdessen werden Computermodelle zur Berechnung des Wertes herangezogen, was wiederum alles andere als „Transparent“ für den Investor ist, denn man kann nicht nachvollziehen, wie im Details die Berechnung durchgeführt wird – und auf welchen Parametern diese basiert.

Wie auch immer: laut dem nachfolgenden Artikel ist ein grund, für das Ansteigen dieser ominösen „Level 3 Assets“ in den Bilanzen, dass die Banken nun wieder größeres Vertrauen in ihre Computermodelle haben… Das ist schön für die Banken – beruhigt mich aber nicht im geringsten… ;o)

Gefunden bei ft.com:

Financial groups’ problem assets hit $610bn

By Aline van Duyn and Francesco Guerrera in New York

Published: December 10 2008 23:32 | Last updated: December 10 2008 23:32

The biggest US financial institutions reported a sharp increase to $610bn in so-called hard-to-value assets during the third quarter, raising concerns about the hidden dangers on balance sheets.

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Depfa-Bank: Finanzlöcher in der New Yorker U-Bahn

Verfasst von hw71 am 4. Dezember 2008

Gefunden bei sueddeutsche.de:

04.12.2008 8:50 Uhr
Depfa-Bank in New York

Finanzlöcher in der U-Bahn

Hilflos in den USA: Warum die Pleite der deutschen Depfa-Bank für die New Yorker Verkehrsbetriebe eine Katastrophe ist.

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WestLB bringt Sparkassen in Nöte

Verfasst von hw71 am 5. November 2008

Die WestLB ist wieder in den Schlagzeilen – diesmal mit Geschäften mit CDO-Papieren, die sie zwischen 2003 und 2006 vor allem an kleinere Sparkassen in Nordrhein Westfalen verkauft hat und die nun hohe Abschreibungen nach sich ziehen.

Und als ob das noch nciht reichen würde, berichtet der Artikel von einer WelstLB New York Capital Investment – einem sogenannten „Investment Vehicle“, in das zahlreiche Sparkassen vis zu 500 Millionen Euro investiert hatten. Unglücklicherweise investierte dieses Vehicle ausgerechnet in Bereiche, die besonders schwer von der Finazkrise gebeutelt wurden (Immobilen, Kreditkarten etc), d.h. auch hier könnten noch zusätzlcihe Belastungen auf die Institute zukommen.

Besonders interessant auch der Hinweis, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass die kleineren Sparkassen gegen die WestLB wegen dieser Geschäfte klagen würden, denn dann würden die Banker eingestehen, dass sie die Produkte, die die WestLB ihnen angedreht hatte, nicht verstanden hätten…

Gefunden bei ftd.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Verspekuliert

WestLB bringt Sparkassen in Nöte

von Nina Luttmer (Frankfurt)

Zahlreiche Sparkassen haben weit stärker in riskante Wertpapiere investiert als bislang bekannt. Nach FTD-Informationen steht in Nordrhein-Westfalen eine ganze Reihe von Instituten vor hohen Abschreibungen – vor allem kleinere Häuser sind betroffen.

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Bankenkrise: Anleiheversicherer kaufen sich frei…

Verfasst von hw71 am 4. August 2008

Ein Puzzlestein in der aktuellen Krise sind die Anleiheversicherer (sog. Monoliner), die – vereinfacht und fachlich sicherlich nicht korrekt ausgedrückt – für mehr Anleihen Garantien übernommen hatten, als sie eigentlich stemmen können. Solange die Ratings für diese Spezialversicherer erstklassig waren (AAA) war es kein Problem für diese, sich am Kapitalmarkt zu vergleichsweise günstigen Konditionen Geld zu besorgen. Durch die aktuelle Finanzkrise änderte sich die Finanzwelt allerdings grundlegend und das Risiko wird aktuell gescheut wie das Weihwasser vom Teufel.

Im nachfolgenden Artikel wird erklärt, warum sich nun Banken mit 500 Millionen Dollar „zufriedengeben“, obwohl die Garantierverträge einen Umfang von 3,7 Milliarden Dollar hatten…

Gefunden bei ftd.de:

Einigung mit Modellcharakter

Banken schlachten Monoliner aus

von Yasmin Osman (Frankfurt) und Sebastian Bräuer (New York)

Mit einer neuen Strategie versuchen angeschlagene Anleiheversicherer, ihre existenzbedrohenden Garantieverträge zu reduzieren. Jüngstes Beispiel ist die Einigung zwischen dem zweitgrößten Anleiheversicherer Ambac und der US-Investmentbank Citigroup.

Danach verzichtet die Bank auf den Versicherungsschutz für ein 1,4 Mrd. Euro großes komplexes Wertpapier (Collateralized Debt Obligation, CDO). Ambac, das eine Garantieerklärung für dieses Papier gegeben hatte, leistet im Gegenzug eine Strafzahlung von 850 Mio. $. Aus Sicht der Bank bedeutet das, dass sie sich von dem Anleiheversicherer Geld holt, solange dieser noch welches hat.

Das Beispiel könnte Experten zufolge Schule machen: In den vergangenen Monaten hatte sich gezeigt, dass Spezialversicherer wie Ambac mehr Garantien für die riskanten CDO-Anleihen ausgesprochen hatten, als sie im Krisenfall schultern können. Seither haben die Ratings der meisten Bondversicherer so stark gelitten, dass sie an den Kapitalmärkten praktisch kein Geld mehr bekommen und auch vom Neugeschäft ausgeschlossen sind. Mit Einigungen wie dieser könnten die auch Monoliner genannten Versicherer einen Teil dieser verlustreichen Garantien abbauen. Kritiker warnen allerdings vor Nachteilen für andere Gläubiger der Monoliner.

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Citigroup lässt die Hosen rungter…

Verfasst von hw71 am 5. Dezember 2007

… anders kann man das nachfolgende Zitat wohl nicht bezeichnen:

„…Our losses greatly exceeded the profits we made in this field over several years,“

Gefunden bei iht.com:

Citigroup admits subprime investments were losers

Reuters
Tuesday, December 4, 2007

LONDON: Citigroup, the largest U.S. bank by assets, said Tuesday that it had lost more money than it had made from financial instruments based on U.S. subprime mortgages.

At the same time, the share prices of major U.S. securities firms fell on Wall Street amid fears about the effect of the mortgage crisis on earnings.

William Mills, chief executive of Citigroup’s markets and banking division in Europe, said the bank had suffered „reputational damage“ from the fallout even though the bank had made „adequate disclosures“ to customers who were trading in collateralized debt obligations and similar instruments.

„Our losses greatly exceeded the profits we made in this field over several years,“ Mills said at a hearing of the Treasury Committee of the British Parliament. The panel is investigating the finance industry after the collapse of the British mortgage lender Northern Rock.

Executives from Deutsche Bank, Goldman Sachs and UBS were also at the hearing in London. An executive with UBS said it had probably lost more money than it made on the securities.

In a heated hearing lasting more than an hour, lawmakers accused the banks of losing sight of risks, failing to do enough to explain complex products to investors and acting recklessly, particularly in the sale of structured credit products.

All of the bank representatives at the hearing dismissed accusations that investors, particularly those trading in collateralized debt obligations, or CDOs, and other complex instruments, were not warned of the risks involved.

Securities firms and banks have announced about $66 billion of losses and write-downs for assets linked to the collapse of the U.S. subprime mortgage market this year. Merrill Lynch, UBS and Citigroup ousted their chief executives as a result, and senior executives left Morgan Stanley and Bear Stearns.

E. Gerald Corrigan, managing director for risk management at Goldman Sachs, told the parliamentary panel that his bank had fared better than Citigroup. „On balance, we probably made money,“ Corrigan said. „We have had a measure of success in hedging some of our exposure.“

Jeremy Palmer, who runs the UBS investment banking unit in Europe, told the committee that his bank had probably lost more than it made.

Deutsche Bank probably made money from marketing CDOs than it had since lost, said Charles Aldington, chairman of its London unit.

An official from the Financial Services Authority, Clive Briault, issued a separate warning on the state of the British mortgage market and credit conditions, telling lenders to prepare for bleak times. Briault, head of retail markets for the financial industry regulator, said British borrowers were likely to come under strain in 2008, with many unlikely to be able to refinance their home loans at attractive terms – and some unable to do so at all.

According to the agency, at least 1.4 million short-term, fixed-rate mortgages will end in 2008.

On Wall Street, Citigroup and the four largest U.S. securities firms had their earnings estimates cut Tuesday by analysts amid concerns that additional write-downs for fixed-income assets and a slowdown in mergers and acquisitions, or M&A, would hurt profit.

Kenneth Worthington, an analyst with JPMorgan Chase, said Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch and Lehman Brothers would probably face weak credit markets for the next two to three quarters. Shares of the companies were lower in New York trading Tuesday.

„We expect write-downs of fixed-income inventory and a slowdown in M&A,“ Worthington said in a research note. „Large write-downs reflect failed risk management and business strategies and should negatively impact valuation longer term.“

JPMorgan lowered its 2008 earnings estimate for Goldman to $22.57 a share from $23.50, while also cutting earnings estimates on Morgan Stanley, Merrill Lynch and Lehman Brothers.

The UBS analyst Glenn Schorr reduced his 2008 profit estimate for Citigroup, and said the stock was „still not compelling“ after a 41 percent drop this year through Monday.

In late trading Tuesday, Citigroup was down 6 cents at $33 while Goldman declined $6.50, or 2.9 percent, to $220.39. Morgan Stanley dropped $2.37, or 4.5 percent, to $49.91; Merrill slipped $1.79, or 3 percent, to $57.27; and Bear Stearns fell $4.64, or 4.7 percent, to $93.76.

Richard Bove, an analyst at Punk Ziegel, changed all of his ratings on the top five securities firms on Tuesday to „sell.“ Bove previously rated Goldman, Lehman and Bear Stearns „market perform“ and had „sell“ ratings only on Merrill and Morgan Stanley.

The ripple effects from the subprime crisis were not confined to banks Tuesday. H&R Block, the biggest U.S. tax preparer, said that it had shut its subprime home lending unit after an agreement to sell Option One Mortgage to Cerberus Capital Management unraveled. About 620 people will lose their jobs. The closure of the unit affects three offices and will result in a $75 million pretax charge. An additional $125 million pretax charge may come after the servicing business is evaluated, the company said.

Separately, part of the junior-ranking debt of Sedna Finance, a unit of Citigroup, was downgraded 12 levels by Fitch Ratings after declines in the assets of a structured investment vehicle.

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Interview: "Sind die Banken zu blauäugig?"

Verfasst von hw71 am 4. Dezember 2007

Gefunden bei sueddeutsche.de:

04.12.2007 18:00 Uhr
Sagen Sie mal …
Sind die Banken zu blauäugig?

Die Mechanik der Kreditkrise und die größten Irrtümer der Investoren erläutert Jochen Felsenheimer, Chef der Kreditanalyse bei der Unicredit.
Interview: Hans von der Hagen

sueddeutsche.de: In den USA heißen sie die Ninjas. No income, no job and assets. Kein Einkommen, kein Job, kein Vermögen. Trotzdem haben sie Kredit zum Kauf von Immobilien bekommen. Hatten die Banken vor der Krise zu viel Geld?

Jochen Felsenheimer: Das kann man so sagen. Die US-Notenbank hatte in den vergangenen Jahren den Markt mit Geld zugeschüttet und wenn Geld zu billig ist, fließt es in die falschen Anlagen: Man investiert dort, wo das Risiko groß ist, ohne sich mit einer entsprechenden Prämie dafür bezahlen zu lassen.

sueddeutsche.de: Schwer vorstellbar, dass die Banken über ihre eigene Großzügigkeit gestolpert sein sollen. War die Gier so groß?

Felsenheimer: Die Banken versuchten händeringend, die wachsenden Renditeforderungen der Investoren zu erfüllen. Darum wurden die Vergabebedingungen zu sehr gelockert. Es war wie am Ende eines Aktienbooms: Zum Schluss kaufen die Leute selbst das, was sie besser nicht kaufen sollten. Und das fliegt ihnen als erstes um die Ohren, sobald sich die Anzeichen eines Endes des Booms mehren.

sueddeutsche.de: Aber erklärt allein die laxe Vergabepraxis das gewaltige Ausmaß der Krise? Was ist der Unterschied zu früheren Krisen?

Felsenheimer: In dieser Krise gibt es tatsächlich noch einige Besonderheiten. Eine von ihnen ist die 2/28-Finanzierungsstruktur, die es etwa seit dem Jahr 2005 gibt.

sueddeutsche.de: Das Lockzinsangebot?

Felsenheimer: Es ist verhängnisvoll: In den ersten zwei Jahre haben die Kreditnehmer nur eine sehr niedrige Rate – zuletzt lag der Zins oft nur zwischen einem und zwei Prozent. Aber nach den zwei Jahren wird der Zins variabel, springt auf das aktuelle Niveau und bleibt dort für die restlichen 28 Jahre. Zwei Dinge haben den Käufern nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Zinsen sind zwischenzeitlich weiter gestiegen – und die Immobilienpreise entgegen den Erwartungen gefallen. Die Besitzer haben jetzt also zwei Probleme: Sie können die hohen Raten nicht mehr begleichen und ihre Häuser sind weniger wert.

sueddeutsche.de: Hat die 2/28-Regel die Kreditkrise mit ausgelöst?

Felsenheimer: Sie war jedenfalls einer der Gründe. Doch ein weiterer kam noch hinzu: Die schwachen Kreditnehmer wurden ganz bewusst als Zielgruppe umworben. Auch das ist ein Unterschied zu früheren Krisen: Die Banken kalkulierten von vorneherein, dass sie die potenziell schlechten Kredite nicht in den Büchern halten mussten, sondern weiterverkaufen konnten.

sueddeutsche.de: Woher wussten die Banken, dass ihnen das jemand abkaufen würde?

Felsenheimer: Der Trick ist: Der Kredit wird nicht einzeln verkauft. Die Bank fasst viele Kredite zusammen und verkauft diese weiter.

sueddeutsche.de: Aber Schrottkredite werden im Bündel nicht attraktiver …

Felsenheimer: Das Bündel wird nochmals unterteilt – vereinfacht gesagt in drei Schichten: Ganz unten ist die sogenannte Equity-Tranche. Man nennt es Equity, weil es bezüglich des Risikos Eigenkapitalcharakter hat. Das kaufen vor allem Hedgefonds, den meisten anderen Investoren ist es zu riskant. Oft verbleibt es auch beim Kreditgeber. Dann kommt die Mezzanine-Tranche, die ein mittleres Risiko-Ertrags-Profil aufweist und oben auf liegt die Senior-Tranche, deren Ausfallrisiko als gering angesehen wird. Das geht dann eher an die Versicherer. Oft sind diese Tranchen allerdings nur die Basis für weitere Wertpapierstrukturen.

sueddeutsche.de: Werden die Kredite einzeln bewertet und den Tranchen zugeordnet – oder wird von der Bank festgelegt, welche Tranche wie viel Risiko tragen muss?

Felsenheimer: Die Struktur wird so gestaltet, dass die unterschiedlichen Risikoklassen gewisse Risiko-Ertrags-Profile aufweisen. Dazu werden die zu erwartenden Verluste auf die verschiedenen Risikoklassen aufteilt. Die ersten Ausfälle trägt die Equity-Tranche, die Mezzanine-Schicht die nächsten und erst wenn dann noch weitere Ausfälle kommen, trifft es die Senior-Tranche.

sueddeutsche.de: Wer prüft die Tranchen?

Felsenheimer: Ratingagenturen wie Standard & Poor’s oder Moody’s. Die Anforderungen sind streng: Jede einzelne Tranche wird von der Ratingagenturen bewertet und mit eine Risikonote versehen. Und die Banken müssen laufend berichten, was sich in den Portfolios tut.

sueddeutsche.de: Welche Noten vergeben die Agenturen typischerweise?

Felsenheimer: In der Mezzanine-Tranche reichen die Bewertungen von AA bis A. Die Seniortranche bekommt in der Regel ein AAA-Rating. Das Triple-A ist die beste Note, die die Ratingagenturen zu vergeben haben.

sueddeutsche.de: Und schon sind aus Schrottkrediten erstklassige Papiere geworden?

Felsenheimer: So funktioniert der Markt für strukturierte Kreditprodukte. Aber ein Triple-A ist nicht gleich Triple-A. Hinter einem Triple-A können je nach Wertpapierkategorie völlig unterschiedliche Modelle stecken, die mit unterschiedlichen Ausfallrisiken verbunden sind. Die Ratings spiegeln keine allgemeingültige Masterskala wider. Wir hatten jetzt erst gerade den Fall, dass eine Triple-A-Struktur innerhalb von neun Monaten komplett ausgefallen ist – mit 90 Prozent Verlust.

sueddeutsche.de: War das der größte Irrtum in der Kreditkrise – die Illusion von Sicherheit? Haben sich zu viele auf das Triple-A verlassen?

Felsenheimer: Genau das ist passiert. Wer in großem Stil in solche Papiere investiert und weiß das Triple-A nicht richtig einzuschätzen, hat ein Problem. Allerdings haben auch die Ratingagenturen Fehler gemacht. Sie haben Ausfallrisiken unterschätzt und mit den falschen Parametern und Prognosen gerechnet. Die jetzt realisierten Ausfälle liegen weit über dem, was sie für möglich gehalten hatten.

sueddeutsche.de: Der Markt für Subprime-Kredite ist zusammengebrochen. Es gibt keine Preise mehr – wie können die Banken wissen, wie um sie steht?

Felsenheimer: Sie wissen es nicht. Die Risikoabteilungen der Banken brauchen aktuelle Marktpreise, um ihre Risikomanagementsysteme zu füttern. Aber weil es keinen Markt mehr gibt, werden seit Wochen und Monaten auch keine Preise mehr festgestellt. Die Banken kennen nicht den Wert der illiquiden Derivate und schon gar nicht den der Wertpapierkonstruktionen, die wiederum darauf aufbauen und noch viel illiquider sind.

sueddeutsche.de: Man schätzt also nur noch?

Felsenheimer: Die Banken versuchen, notdürftig die Preise zu kalkulieren. Dazu müssen sie aber Annahmen treffen, die auch schon falsch sind – stellt sich nur die Frage, wie falsch sie sind.

sueddeutsche.de: Wurden nicht schon vor der Krise die falschen Annahmen getroffen?

Felsenheimer: Sicher, sonst würden nicht die einen Banken besser und die anderen schlechter mit der Krise zurechtkommen. Aber Banken nehmen bewusst Risiken auf sich, das ist ihr Geschäftsmodell. Einige Banken und Hedgefonds hatten auf eine Kursverfall im Subprime-Markt gewettet – und einen Haufen Geld damit verdient.

sueddeutsche.de: Aber die Krise zeigt doch, dass sich das Gros der Banken mit dem Management des Risikos schwer tut …

Felsenheimer: Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder rechnen Banken die Risiken absichtlich klein, weil sie dann weniger Eigenkapital hinterlegen müssen und entsprechend höhere Renditen haben. Oder sie sind nicht in der Lage ihre Risiken adäquat zu berechnen.

sueddeutsche.de: Und, was sagen Sie?

Felsenheimer: Die meisten Banken dürften die Risiken absichtlicher klein gerechnet haben. Sie sind durchaus in der Lage die Risiken zu benennen – sind aber davon ausgegangen, dass sie sie außerhalb der Bilanz führen können. Jetzt gibt es keinen Markt mehr für die Produkte und sie müssen alles in die Bilanz aufnehmen. Das ist fatal, vor allem für die US Investmentbanken. Die haben traditionell schmale Bilanzen, weil sie es gewöhnt sind, Risiken zu generieren und weiterzuverkaufen. Jetzt bleiben sie plötzlich darauf sitzen und haben die faulen Kreditstrukturen in den Büchern. Aber es gibt auch einige Institute, die wussten nicht, was sie tun und kauften wahllos Produkte. Das war am Markt bekannt.

sueddeutsche.de: Eigentlich gilt der Weiterverkauf von Krediten als Möglichkeit, Risiken auf viele Schultern zu verteilen und damit zu minimieren. Muss man jetzt nicht feststellen, dass sich die schöne Theorie in der Praxis ins Gegenteil verkehrt?

Felsenheimer: Seit Anfang der siebziger Jahre gibt es eine Diskussion darüber, ob Derivate die Märkte stabilisieren oder nicht. Und diese Diskussion spiegelt sich perfekt in der aktuellen Krise wider. In ruhigen Marktphasen tragen die Derivate zu höherer Transparenz bei, die Märkte werden effektiver. Aber: Sie schaffen mehr Risiken. Hinzu kommt, dass die Banken riskantere Geschäfte abschließen: Sie wissen, dass sie die Risiken weiterverkaufen können. In den Finanzmärkten steckt jetzt in der Summe mehr Risiko als vor Einführung der Derivate. Und das führt dazu, dass sich in unruhigen Marktphasen und außergewöhnlichen Situationen das Momentum, die Wucht der Krise verstärkt.

sueddeutsche.de: Gibt es demnach zu viele Derivate in der Welt?

Felsenheimer: Das ausstehende Volumen an Kreditderivaten ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und darum mittlerweile tatsächlich unglaublich hoch: Es liegt bei fast 50.000 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung der gesamten Welt.

sueddeutsche.de: Wir setzen also alles, was wir im Jahr erwirtschaften, aufs Spiel?

Felsenheimer: Sie haben im Kreditderivatemarkt natürlich immer einen Kontrahenten, der die Gegenposition einnimmt. So gesehen kann man nicht sagen, dass wir das globale Bruttosozialprodukt auf Spiel setzen. Der Vergleich zeigt aber, welches immense Ausmaß der Handel mit Kreditderivaten und somit das ausstehende Kreditrisiko inzwischen eingenommen hat.

sueddeutsche.de: Wird sich die Krise weiter ausbreiten?

Felsenheimer: Kreditkrisen sind ganz normale Anpassungsprozesse, die von Zeit zu Teit auftreten und exzessive Tendenzen in den Märkten kompensieren. Es wird sie immer wieder geben. Inwiefern uns die Subprime-Krise noch weiterhin begleiten wird, wird sich im ersten Quartal 2008 entscheiden. Die Gefahr einer nachhaltigen Auswirkung auf die Realwirtschaft ist da und erste Signale dafür auch jetzt schon erkennbar. Der amerikanische Weg der Entschuldung funktioniert so: Erst wird das Haus verkauft, dann das Auto und zum Schluss der Fernseher. Zur Zeit sehen wir viele Zahlungsrückstände im Autoleasinggeschäft: Es zeichnet sich also bereits eine neue Runde in der Kreditkrise ab.

(sueddeutsche.de/mah)

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