Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Erholungskurs der Autoindustrie verläuft schleppender als erwartet

Verfasst von hw71 am 15. November 2009

Gefunden bei ftd.de:

12.11.2009, 21:12

Entmutigendes Signal

Daimler lässt auch 2010 kurzarbeiten

Exklusiv Daimler wird an deutschen Standorten voraussichtlich im gesamten nächsten Jahr nicht zur normalen Arbeitszeit zurückkehren. Das deutete Daimler-Finanzvorstand Uebber im Gespräch mit der FTD an. Das würde signalisieren, dass der Erholungskurs der Autoindustrie schleppender verläuft, als erwartet.

von Heimo Fischer , Margret Hucko, Stuttgart und Matthias Ruch New York

„Wir können 24 Monate lang Kurzarbeit fahren. Das ist gar keine Frage“, sagte Bodo Uebber der FTD. Der Stuttgarter Autobauer hatte vor knapp einem Jahr in seinem Sindelfinger Werk zum ersten Mal in der aktuellen Krise Kurzarbeit eingeführt.

Die Verlängerung wäre ein deutliches Signal, dass die Erholung der Autoindustrie schleppender verläuft, als die Branche zuletzt gehofft hatte. Während der vergangenen Monate zeichnete sich bei mehreren Autobauern eine leichte Besserung des Geschäfts ab. Daimler selbst meldete im dritten Quartal wieder Gewinn, nachdem im ersten Halbjahr ein Milliardenverlust angefallen war.

Auch für 2010 droht Verlust

Die Kurzarbeitsregelung ermöglicht vielen deutschen Unternehmen, trotz der Flaute Kündigungen zu vermeiden. Die Beschäftigten arbeiten weniger, der Staat ersetzt einen Teil des Verdienstausfalls. Bei Daimler sind momentan rund 27.000 Personen betroffen. Nach den bisher gültigen Vereinbarungen soll die Kurzarbeit in sechs Pkw-Werken bis Ende Dezember laufen, an den Lkw-Standorten Wörth und Mannheim zunächst bis Juni 2010. Über eine Verlängerung laufen Gespräche, einen endgültigen Beschluss gibt es aber noch nicht.

Mit scharfen Kostenschnitten will Daimler sein Ergebnis verbessern. Bis Ende dieses Jahres sollen daher 5 Mrd. Euro eingespart werden. Dennoch wird der Konzern dieses Jahr mit einem Verlust abschließen. Die Kürzungen sollen 2010 im gleichen Ausmaß weitergehen. Uebber schloss wegen der unsicheren Absatzlage für das kommende Jahr ein Minus nicht kategorisch aus. „Für 2010 müssen wir weiter daran arbeiten, ein positives Unternehmensergebnis zu erreichen“, sagte er. Eine genaue Aussage soll im Februar folgen.

Mehr Produktion in den USA

Neben dem Minus beim Absatz drückt auch der schwache Dollar das Konzernergebnis der Schwaben. Um die Folgen des Umtauschkurses abzumildern, plädiert Uebber dafür, mehr Autos jenseits des Atlantiks zu produzieren – zumal dort ein wichtiger Absatzmarkt für den Konzern sei. „Grundsätzlich befürworte ich, dass wir etwas mehr Wertschöpfung in den USA haben.“

Bei Daimler laufen Überlegungen, die Produktion der für den amerikanischen Markt vorgesehenen Fahrzeuge der neuen C-Klasse ab 2014 ins US-Werk Tuscaloosa in Alabama zu verlagern. Bei einem Pressegespräch in New York kündigte Konzernchef Dieter Zetsche einen raschen Beschluss an. „Wir werden in den nächsten drei Monaten darüber entscheiden“, sagte er. Ursprünglich hatte Daimler allerdings schon bis Ende dieses Jahres zu einem Ergebnis kommen wollen.

Aus der FTD vom 13.11.2009

© 2009 Financial Times Deutschland