Deutschland: Magna Donnelly schließt Werk in Zaberfeld
Verfasst von hw71 am 14. November 2009
Betroffen sind 239 Mitarbeiter!
Gefunden bei Heilbronner Stimme:
An den Werkstoren herrscht Schweigen
Von Carsten Friese und Werner Tewes
Zaberfeld – Dem Schock über das angekündigte Aus für den Zaberfelder Autozulieferer Magna Donnelly und damit für 239 Mitarbeiter folgt das große Schweigen. Als am Freitag um 14 Uhr Schichtwechsel ist, sind die ernst dreinblickenden Mitarbeiter auffallend einsilbig. „Kein Kommentar“, „Ich sage nichts“, „Ich beantworte keine Fragen“ sagen die Menschen immer wieder, die einen Tag zuvor über die Schließung des Werks informiert worden waren.
Selbst der Betriebsrat darf auf Anweisung der Firmenleitung keine Stellungnahme abgeben. Ein junger Maschinenbediener, der zur Arbeit kommt und vom Redeverbot noch nichts weiß, hat keine Hoffnung mehr. „Zu viel Minus, zu viel Schulden.“ Seine Zukunft? Er weiß es nicht.
Aus der Magna-Zentrale in Wien heißt es, man „bedauere die Angelegenheit sehr“. Doch zur Schließung des Werkes gebe es keine Alternative. Nach Unternehmensangaben schreibt der Standort Zaberfeld seit fünf Jahren rote Zahlen. Mit dem geplatzten Opel-Deal habe die Entscheidung nichts zu tun. Verantwortlich dafür sei „ein Bündel an Faktoren“.
In früheren Geschäftsberichten wird von außergewöhnlich hohen Kosten für die Qualitätskontrolle gesprochen. „Obwohl wir die Produktionsprozesse verbessert haben, hat sich nichts an der Situation geändert“, so ein Unternehmenssprecher. Durch die aktuelle Krise in der Automobilindustrie hat sich die Lage verschärft. Der Umsatz am Standort ist zuletzt um rund 25 Prozent eingebrochen. Aus Magna-Kreisen ist zu hören, dass in den nächsten Monaten die Werkschließung abgewickelt werden soll.
Betroffen
„Mehr Wut als Enttäuschung“ empfindet Barbara Piechotta (61). Ihr Mann, ihre Tochter, ihr Schwiegersohn arbeiten bei Magna. Ihr Mann wird demnächst 60, Tochter und Schwiegersohn haben Kinder. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt die Rathaus-Angestellte.
239 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Für den Ort ist Magna mit Abstand der größte Arbeitgeber. „Es trifft auch den Bäcker, den Elektriker, den Schreiner, Zulieferbetriebe“, sagt Vize-Bürgermeister Eckhard Keller. Er und der neu gewählte Gemeindechef Thomas Csaszar waren am Freitag bei der Magna-Geschäftsführung und boten jede Hilfe der Gemeinde an. Das Ergebnis nennt Csaszar „sehr ernüchternd“. Sie erfuhren, dass es „so gut wie keine Aussicht“ auf einen Fortbestand des Werkes gibt.
Einbußen
„Das ist eine Katastrophe“, sagt Metzger Albrecht Sauter. Er hat Magna beliefert, Arbeiter kauften bei ihm ein. „Wenn das Geld knapp wird, gehen die Leute in den Supermarkt.“ Sauter rechnet mit Umsatzrückgängen um 15 Prozent. Auch Bäckerei-Chefin Ulrike Zöller erwartet Einbußen. Zweimal täglich fuhr das Verkaufsmobil ans Magna-Werk. „Man kennt ja jeden persönlich. Da tut das Aus besonders weh.“
Im Ort werden Stimmen laut, dass der häufige Wechsel im Betrieb und der verstärkte Einsatz von Leiharbeitern nicht gerade positiv für die Qualität der Produkte waren. „Die Warnzeichen“, sagt eine Mittfünfzigerin, „hätte die Geschäftsführung doch früher erkennen müssen.“