Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Marc Faber: „Ich halte Obama für einen ziemlich gefährlichen Kerl“

Verfasst von hw71 am 29. Juni 2009

Das ganze sagte die „Investmentlegende“ im Rahmen eines Wirtschaftswoche-Interviews zur aktuellen Finanzkrise auf die Frage, was seiner Meinung nach nach einer möglichen wirtschaftlichen Depression kommt. Er befürchtet, dass der letzte Ausweg ein Krieg ist – zum einen, weil Kriege tendenziell inflationär wirken und zum anderen, weil die Regierung damit noch ein letztes Mal von ihrer Inkompetenz ablenken kann und nennt dabei u.a. Bush und halt auch Obama…

Gefunden bei wiwo.de:

Gold als Reserve Investmentlegende Marc Faber: „Gewaltiger Kollaps“

Frank Doll 20.06.2009

Warum Vermögensverwalter Marc Faber enorme Kaufkraftverluste der Papierwährungen erwartet und deshalb immer mehr Gold anhäuft.

WirtschaftsWoche: Herr Faber, US-Finanzminister Timothy Geithner wurde in Peking von Studenten ausgelacht, als er sagte, die chinesischen Dollar-Anlagen seien sicher. Wird der Dollar als Leitwährung der Welt bald abgelöst?

Faber: Es ist schon erstaunlich, dass man heute einen US-Finanzminister auslacht. Das wäre vor 30 Jahren nicht passiert. Dass sich alle Länder auf eine neue Währung einigen können, ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Die Welt konnte sich bisher ja nicht mal auf einen einheitlichen elektrischen Stecker einigen. Ich gehe davon aus, dass der Dollar noch einige Zeit Leitwährung bleiben wird – bis es dann zu einem gewaltigen Kollaps kommt.

Was wird passieren?

Ich könnte mir vorstellen, dass alle Papierwährungen ein Problem haben werden, nicht nur der Dollar. Die Regierungen wollen keine starke Währung wie Gold, weil man die nicht drucken kann. Papierwährungen kann man drucken und damit Probleme in die Zukunft verschieben. Damit kann man das Volk betrügen, weil die Kaufkraft der Währung ständig sinkt.

Kann man die ganze Welt betrügen?

Intelligente Menschen sehen schon, dass, wenn man die Geldmenge erhöht, eine Papierwährung gegenüber einer Währung, die nicht erhöht werden kann, verliert. Nur befasst sich in den USA die Mehrheit der Menschen damit, was Paris Hilton gerade macht. Die haben keine Ahnung von Währungen. Für die ist ein Dollar ein Dollar.

Sie prophezeien stark steigende Inflationsraten. Wie soll das gehen in einer Welt mit Überkapazitäten? Ist nicht Deflation das Risiko?

Es ist richtig, dass wir im Moment gewaltige Überkapazitäten haben. Und es gibt auch gewisse Güter, deren Preise fallen. So machen die in Indien jetzt ein Auto für 2.500 Dollar. Aber das hat nichts mit Deflation zu tun, sondern mit technischem Fortschritt. Die Lebenshaltungskosten der Menschen steigen, so die Ausgaben für Gesundheit; Bildung oder Versicherungen. Ich kenne keinen, dessen Versicherungsprämie gefallen ist. Weil die Versicherer so viel Geld verloren haben, müssen sie es sich jetzt ja zurückholen. Mein Eindruck ist, dass die Inflation tatsächlich so bei vier Prozent liegt.

Deflationisten argumentieren, das nachlassende Kreditwachstum spreche gegen Inflation.

Das Kreditwachstum geht aber nur im Privatsektor zurück, die Regierungen dagegen haben es stark erhöht. Im System insgesamt steigt die Liquidität. Die amerikanischen Ökonomen, angeführt von Notenbankchef Ben Bernanke, wollen keine Deflation. Die Fed kann ihre Bilanzsumme noch gewaltig erhöhen. Und wir wissen nicht, was da außerhalb der Bilanz gemacht wurde. Die können beliebig Geld drucken und die Staatsdefizite erhöhen.

Verpuffen die Konjunkturprogramme?

In diesem Jahr werden die USA wohl 2000 Milliarden Dollar Staatsdefizit machen. Damit das Defizit weiter stimuliert, müsste es 2010 auf 3000 Milliarden steigen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in etwa sechs Monaten die Wirtschaft noch einmal nach unten bewegt, aber nicht mit der Intensität von September 2008 bis März 2009. In gewissen Märkten gibt es einen normalen Ersatzbedarf, etwa bei Autos oder Haushaltsgeräten. In China und Indien sind diese Märkte noch nicht gesättigt. Eine Minimumnachfrage ist also da. Außerdem besteht die Wirtschaft in den westlichen Ländern zu rund 50 Prozent aus dem Staat. Schon möglich, dass die Privatwirtschaft noch um 40 Prozent schrumpft, aber der Staat schrumpft nicht.

Es sei denn, dem Staat leiht keiner mehr Geld.

Möglich, aber dann druckt die Regierung eben noch mehr Geld. Es ist klar, dass die Bonität von Regierungen dann abnimmt. Die Risikoprämie der US-Regierung ist schon höher als die von McDonald’s.

Ist Gold eine gute Versicherung gegen Inflation?

Ja, aber ich habe auch gewisse Bedenken. Denken Sie an den Satz von Voltaire: „Es ist gefährlich, richtig zu liegen, wenn die Regierung falsch liegt.“

Was meinen Sie damit in Bezug auf Gold?

Ich könnte mir zumindest in der Schweiz vorstellen, dass Anlegern eines Tages das Gold auf Druck der Amerikaner weggenommen wird.

Nur in der Schweiz oder auf der ganzen Welt?

Unter den Kommunisten war Gold auch in China verboten. Heute würden die Chinesen den USA aber sagen: „Fuck you“ – schon rein aus Opposition. In Singapur oder Hongkong hätten die Amerikaner auch keine Chance, aber eben in der Schweiz. Die Schweiz hat kein Rückgrat mehr, sie würde sich beugen. Die Schweizer Nationalbank, die zu Tiefstpreisen viel Gold verkauft hat, wäre bestimmt froh, es so zurückzubekommen.

Übertreiben Sie da nicht? Lässt sich ein Goldverbot überhaupt praktisch durchsetzen?

Das ist die Frage. Die Regierung könnte Goldbesitzer nicht zu einem Preis von 30 Dollar pro Unze enteignen, sondern sie müsste schon einen gewissen Marktpreis zahlen – aber mit frisch gedrucktem Geld.

Dann geht der Goldbesitzer eben ins Ausland.

Versuchen Sie das mal, wenn Sie eine Tonne Gold in der Bank haben. So einfach ist das nicht, das nach Singapur zu schaffen.

Nicht jeder besitzt gleich eine Tonne Gold. Um den Goldbesitz unattraktiv zu machen, wäre es doch einfacher, den Goldpreis zu drücken?

Schon möglich, dass das zum Teil stattgefunden hat. Tatsache ist: Die Zentralbanken haben Gold verkauft aus ihren Reserven. Das hat einen dämpfenden Einfluss auf den Goldpreis.

Die Notenbanken verkaufen immer weniger.

Der Internationale Währungsfonds hat doch gerade beschlossen, Gold zu verkaufen. Aber das ist natürlich ein Pappenstiel im Vergleich zu dem Geld, das gedruckt wird. Das Gold bewegt sich aus schwachen Händen der Notenbanker in starke Hände. Da kaufen Leute, die sind Milliardäre. Die sehen, dass etwas nicht stimmt im Finanzsystem.

Kaufen Sie weiter Gold?

Ja, Gold ist meine größte Position. Ich habe keine Absicht, mein Gold je zu verkaufen. Das ist meine eiserne Reserve.

Was ist Ihr Hauptargument für Gold?

Lesen Sie die Leute wie Notenbankchef Ben Bernanke oder Harvard-Professor Gregory Mankiw. Da gibt es Vorschläge, die Geldpolitik so zu gestalten, dass eine Bankeinlage in einem Jahr fünf Prozent weniger wert ist, die Leute also mit einem negativen Zins besteuert werden. Dann würden die Anleger das Geld von der Bank nehmen und Banknoten im Keller bunkern. Dann macht man eine Lotterie, die Banknoten mit bestimmten Nummern für wertlos erklärt.

Kann hohe Inflation früher kommen, als viele annehmen?

Ja. In Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg das Preisniveau relativ stabil, bis 1918/19. Drei Jahre später gab es Hyperinflation. Das Rezept für Hyperinflation sind Haushaltsdefizite und Geld drucken.

Wird der Goldpreis dann abheben?

Es gibt wahrscheinlich Anlagen, die mehr steigen werden als Gold. Selbst in einer Hyperinflation werden Sie mit Gold vermutlich nicht das meiste Geld verdienen, aber Sie verlieren auch keines. Mit Immobilien müssen sie aufpassen, weil Mieten gedeckelt werden könnten. Am meisten verlieren sie natürlich mit Obligationen und Bargeld.

Und wenn die Deflationisten recht behalten?

Dann bricht das gesamte Kreditwesen zusammen, es wird gewaltige Pleiten geben. Zu Zeiten der Großen Depression lagen die Gesamtkredite in den USA bei 186 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, heute sind es 370 Prozent – mindestens. Dann bricht alles ein, auch der Goldpreis, aber weniger als alles andere. Gold ist sogar besonders wünschenswert in einer Deflation.

Also Depression – und was passiert dann?

Wenn alles nichts nützt, ist die letzte Option vermutlich Krieg. Dann können die Politiker noch ein letztes Mal das Volk von ihrer Inkompetenz ablenken. Bush hat das ja schon ansatzweise praktiziert. Was Bush kann, kann Obama auch. Ich halte ihn für einen ziemlich gefährlichen Kerl.

2 Antworten zu “Marc Faber: „Ich halte Obama für einen ziemlich gefährlichen Kerl“”

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