Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Allianz startet schwach ins neue Jahr…

Verfasst von hw71 am 30. April 2009

Gefunden bei handelsblatt.com:

29.04.2009
Versicherungsbranche

Allianz: Unterm Strich bleibt fast nichts

von Markus Fasse

Deutschlands Versicherungs-Flagschiff hat nur noch wenig Wasser unterm Kiel. Der operative Gewinn der Allianz ist im ersten Quartal eingebrochen. Allianz-Chef Michael Diekmann rechnet nur noch mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Und es bleibt stürmisch. Die Allianz wagt keinen Ausblick mehr fürs laufende Jahr.

MÜNCHEN. Die Allianz S.E., Europas größter Versicherungskonzern, startet schwach in das neue Jahr. „Ich rechne mit einem ausgeglichenem Ergebnis“, sagte Konzernchef Michael Diekmann gestern auf der Hauptversammlung mit Blick auf das erste Quartal. Eine Prognose für das Gesamtjahr mochte Diekmann nicht abgeben. „Ich möchte nichts versprechen, was ich nicht halten kann“.

Den schwachen Jahresauftakt begründet Diekmann mit hohen Schadensfällen, Abschreibungen auf Anlagevermögen und erneuten Belastungen aus dem Verkauf der Dresdner Bank in Höhe von 400 Mio. Euro. Einschließlich der Steueraufwendungen fressen diese Belastungen das Quartalsergebnis auf Ebitda-Basis von 1,3 Mrd. Euro auf. Im vergangenen Jahr hatte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen noch 2,2 Mrd. Euro betragen.

Dennoch präsentiert sich die Allianz in einer Position der Stärke: „Wir haben uns vergleichsweise gut geschlagen“, bescheinigte sich Diekmann vor den Aktionären. „Wir müssen unser Geschäftsmodell nicht ändern“, bekräftigte der Allianz-Chef. Eine Kapitalerhöhung oder gar ein Einstieg des Staates stehe nicht auf der Tagesordnung. Diekmann verwies auf den taumelnden Versicherungkonzern AIG. Der ehemalige Hauptrivale musste im Zuge der Finanzkrise von der US-Regierung praktisch verstaatlicht werden und wird nun mit mehreren hundert Milliarden Dollar gestützt.

Es sind hausgemachte Probleme, die den Allianz-Chef in Erklärungsnot bringen. „Ich bedaure, dass wir unseren strategischen Plan mit der Dresdner Bank nicht verwirklichen konnten“, sagte Diekmann mit Blick auf das Ende 2008 verkaufte Geldhaus. Der Verkauf sei ohne Alternative gewesen, die rasche Abwicklung mit der Commerzbank im Sinne der Aktionäre gewesen, sagte Diekmann. Mit den finanziellen Belastungen aus dem ersten Quartal ist die Dresdner damit aus den Büchern der Münchener. 2008 hatte der Verlust der Dresdner Bank die Allianz mit 2,4 Mrd. Euro in die roten Zahlen gedrückt – das zweite Verlustjahr in 119 Jahren.

Auch am Imageschaden trägt die Allianz weiter schwer. Die umstrittene Gewährung von „Halteprämien“ an Investmentbanker der Dresdner Bank verteidigte Diekmann ausdrücklich, da sonst ein Exodus von Führungskräften gedroht hätte. „Wir mussten eine intakte Bank übergeben“, so der Allianz-Chef. Die Auszahlungen hätten die vermuteten 400Mio. Euro aber „bei weitem“ nicht erreicht. „Abfindungsexzesse“ habe es nicht gegeben.

Aktionärsvertreter ließen ihrem Ärger freien Lauf: „Tiefrot, ja blutig sind die Spuren der Dresdner Bank“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Diekmann sei es wenigstens gelungen einen „relativ guten Ausstieg“ aus dem „Desaster Dresdner Bank“ zu finden, das die Allianz alles in Allem einen zweistelligen Milliardenbetrag seit der Übernahme 2001 gekostet haben dürfte. „Werden Sie ohne die Dresdner Bank ein Gewinner der Finanzkrise“, forderte Bergdolt.

Gewinnen will die Allianz wieder ganz unspektakulär. So liege der Schwerpunkt auf organischen Wachstum, sagte Vorstandsmitglied Paul Achleitner. Die Allianz sei auch nicht in Gesprächen über mögliche Käufe von AIG-Sparten, betonte Achleitner. „Die Gelegenheiten für Zukäufe sind nächstes Jahr besser“.

Achleitner verwies zudem auf das solide Anlageportfolio der Allianz. Demnach hat der Konzern 315 Mrd. Euro an den internationalen Finanzmärkten unter Vertrag, wovon 35 Prozent in Staatsanleihen stecken, weitere 27 in Pfandbriefen, 15 Prozent in Unternehmensanleihen, acht Prozent in Aktien.