Österreich: Wiener Immobilieninvestor Immofinanz meldet Rekordverlust
Geschrieben von hw71 am 30. Dezember 2008
Und wer ist mal wieder mittendrin, statt nur dabei? Deutsche Landesbanken… Unglaublich.
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Wiener Immobilieninvestor
Immofinanz meldet Rekordverlust
von Christian Höller (Wien)
Die angeschlagene österreichische Immofinanz-Gruppe hat für das erste Halbjahr 2008/09 einen dramatischen Verlust ausgewiesen. Im Zuge der Finanzkrise musste das an der Wiener Börse notierte Immobilienunternehmen einen großen Teil des Immobilienbestands in Osteuropa abwerten
Insgesamt fiel bei dem Konzern in der zum 31. Oktober 2008 abgelaufenen ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2008/2009 ein Vorsteuerverlust von 2,6 Mrd. Euro an. Das ist der größte Verlust, den bislang ein an der Wiener Börse notiertes Unternehmen bekannt geben musste. Im Vorjahr hatte Immofinanz einen Vorsteuergewinn von 427,5 Mio. Euro ausgewiesen.
Bei der Wiener Firma, die mit einem Börsenwert von in der Spitze 6 Mrd. Euro einst zu den führenden Immobilieninvestoren in Zentral- und Osteuropa gehörte, stehen auch deutsche Banken tief in der Kreide. Der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), der WestLB und der Commerzbank-Tochter Eurohypo drohen Millionenabschreibungen. Analysten beziffern deren Engagements mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Die Institute erklärten jedoch, dass ihre Darlehen mit erstklassigen Immobilien besichert seien.
Gegen den Ex-Vorstand der Immofinanz wird inzwischen wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation und des Betrugs ermittelt. Der neue Immofinanz-Chef Thomas Kleibl zeigte sich hingegen am Montag zuversichtlich, dass die Banken notwendige Finanzierungslinien gewährleisten, um ein Sanierungsprogramm umsetzen zu können. Daher zog die Immofinanz-Aktie auch nach Bekanntgabe der Zahlen an der Wiener Börse um in der Spitze 20 Prozent an. Für das Gesamtjahr 2008 steht allerdings dennoch ein Kursverlust von 92 Prozent in den Büchern.
Die langfristigen Schulden der Immofinanz erhöhten sich zuletzt von 6,7 Mrd. Euro auf 7,1 Mrd. Euro. Hinzu kommen noch kurzfristige Verbindlichkeiten von 977 Mio. Euro.
Obwohl die Immobilienmärkte im Zuge der Finanzkrise stark eingebrochen sind, ist die Wiener Gesellschaft zu Verkäufen gezwungen, um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen. In den vergangenen Monaten wurden Objekte im Wert von 160 Mio. Euro abgestoßen. Für weitere Verkäufe befinde man sich laut Immofinanz-Chef Kleibl in fortgeschrittenen Verhandlungen.
Österreichs Wirtschaftspolizei hatte Mitte Dezember ihre Untersuchungen ausgeweitet. Neben den Büros von Immofinanz und deren Wirtschaftsprüfer KPMG wurden auch die Wohnungen von Ex-Vorständen durchsucht. Bis heute ist ungeklärt, wo sich 520 Mio. Euro aus einer Kapitalerhöhung der Immofinanz-Tochter Immoeast befinden. Die Spur verliert sich in einer Stiftung in der Steueroase Liechtenstein.
Immofinanz galt einst als Börsenstar. Die Gesellschaft hatte bei Kleinanlegern Milliarden eingesammelt – mit dem Vertriebsargument, dass Immobilien krisensicher sind. Der größte österreichische Verbraucherverband VKI brachte mit Unterstützung der Wiener Regierung Klagen gegen den Finanzdienstleister AWD wegen angeblicher Falschberatung ein. Dieser hatte in großem Stil Immofinanz-Aktien verkauft. Ein AWD-Sprecher weist die Vorwürfe allerdings zurück.
Aus der FTD vom 30.12.2008
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