Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Commerzbank übernimmt Dresdner zum Schnäppchenpreis

Verfasst von hw71 am 28.November 2008

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28. November 2008, 07:46 Uhr
BANKEN-FUSION

Commerzbank übernimmt Dresdner zum Schnäppchenpreis

Die Übernahme wird preiswerter als gedacht: Ursprünglich sollte die Commerzbank fast zehn Milliarden Euro für die Dresdner Bank zahlen – nun ist das Institut für knapp die Hälfte zu haben. Wegen der Finanzkrise geht der Deal zudem schneller als geplant über die Bühne.

Frankfurt am Main – Der seit Jahren größte Deal in der deutschen Finanzindustrie sorgt noch einmal für Aufsehen: Statt der kalkulierten 9,8 Milliarden Euro bezahlt die Commerzbank für die Dresdner Bank nun doch nur 5,1 Milliarden Euro. Außerdem wird die Allianz als bisherige Dresdner-Mutter nur mit 18,4 und nicht mit 30 Prozent an dem neuen fusionierten Bankhaus beteiligt sein. Das gab die Commerzbank in einer Pflichtmitteilung bekannt.

Darüber hinaus hat sich der Münchner Versicherungsriese Allianz mit der Commerzbank auf eine beschleunigte Übernahme geeinigt. Demnach soll die Commerzbank bereits im Januar 2009 zu 100 Prozent die Dresdner Bank übernehmen. “Wir beschleunigen die Übernahme und sichern eine schnelle Integration”, sagte der Vorstandschef Martin Blessing laut der Mitteilung. In den nach wie vor nervösen Finanzmärkten stelle die Bank so frühzeitig die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit her.

Ende August hatte die Commerzbank angekündigt, der Allianz die Dresdner Bank in zwei Schritten abzukaufen. Zunächst wollte sie nur 60 Prozent der Konkurrentin übernehmen, der Rest sollte in einem zweiten Schritt bis Ende 2009 unter Dach und Fach gebracht werden. Dieser Schritt wird jetzt vorgezogen, die Übernahme soll in einem einzigen Vorgang über die Bühne gehen.

Zudem zahlt die Commerzbank den Großteil der Dresdner Bank in bar und nicht in Aktien. Die Allianz wird künftig dementsprechend einen geringeren Anteil an der neuen Commerzbank halten als zunächst geplant. Der geringere Kaufpreis wird in einer Präsentation für Investoren vorgerechnet: Danach bewertet die Commerzbank das Gesamtvolumen der Transaktion nun mit 5,1 Milliarden Euro, statt ursprünglich 9,7 Milliarden Euro.

An der Börse war in den vergangenen Monaten des öfteren spekuliert worden, dass der Deal wegen der Finanzkrise platzen könnte. Die Aktie der Commerzbank war im Zuge der Turbulenzen kräftig eingebrochen – da bisher ein Großteil der Bezahlung in Aktien vorgesehen war, sahen Marktteilnehmer die Übernahme in Gefahr. Beide Seiten hatten stets betont, der Übernahmeprozess laufe nach Plan.

Das neue Institut aus Commerzbank und Dresdner Bank wird mit einer Bilanzsumme von knapp 1,1 Billionen Euro deutliche Nummer Zwei in der deutschen Bankenbranche hinter der Deutschen Bank mit einer Bilanzsumme von fast 2 Billionen Euro. Zusammen haben die beiden Institute in Deutschland nach früheren Angaben 12,3 Millionen Kunden.

Bei Bekanntgabe der Übernahmepläne Anfang September hatte es geheißen, von den insgesamt knapp 67.000 Arbeitsplätzen bei beiden Banken würden 9000 gestrichen, 6500 davon in Deutschland. Zudem schließt die Commerzbank bis 2012 über 300 der gut 1500 Filialen. Kündigungen sollen nach Möglichkeit vermieden werden. Für die Allianz endet damit ein siebenjähriges Engagement, das sie Milliardensummen kostete und von Beginn an die Erwartungen nicht erfüllte. Die Allianz hatte die ehemalige Nummer zwei am deutschen Bankenmarkt 2001 für 24 Milliarden Euro gekauft mit der Vision, einen Allfinanzkonzern zu schaffen.

cvk/dpa-AFX/Reuters.